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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Kirche  ›  Wer aus der Kirche austritt, dem ist sie ... Moderatoren: Weber
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Wer aus der Kirche austritt, dem ist sie ...  Dieses Thema wurde bisher 1.190 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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Weber
22 Dezember 2008, 20:49 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
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Beiträge: 210
Leserbrief zum Thema „Kirchen laufen die Gläubigen weg“ Nr. 288 Seite 11 Mayen

Wer aus der Kirche austritt, dem ist sie das Geld nicht mehr wert!

Es gibt viele Gründe, weshalb Leute aus der Kirche austreten. Ein Grund liegt sicher in der pastoralen Strukturreform, wodurch Gemeinden zusammengelegt, Gottesdienste gestrichen, pastorale Stellen gekürzt und trotz reichlichen Kirchensteueraufkommens in den letzten fetten Jahren auf Deuvel komm raus gespart wird. Der Rückgang der Gläubigenzahl wurde offiziell bislang mit dem demographischen Faktor begründet, der Schwund durch Kirchenaustritte verschwiegen. Viele kleine Gemeinden werden heute behandelt, als existierten sie gar nicht mehr. Kein Wunder, dass manchem der Dienst (Service) der Kirche das Geld (Kirchensteuer) nicht mehr wert ist.

Andere Gründe für den Kirchenaustritt liegen in der Reformunfähigkeit der von Rom gesteuerten Theologie begründet. Frauen haben bis heute (in der katholischen Kirche) kein Recht, ein geistliches Amt zu übernehmen, nicht einmal das Diakonenamt. Geschiedene, die wieder geheiratet haben, haben in der Kirche alle Ehrenrechte verloren. Sie dürfen (müssen!) nur noch Kirchensteuer zahlen. Theologen, die an den Universitäten aufmucken, werden kalt abserviert – gefragt und karrieregefördert ist nur der aalglatte Hoftheologe. Homosexuelle Menschen, die offen zu ihrer Veranlagung stehen, werden im kirchlichen Dienst ausgegrenzt. Der Zölibat (Ehelosigkeit des Priesters) wird verteidigt wie eine heilige Kuh, obwohl es sich um eine Einrichtung menschlichen (und nicht göttlichen) Rechts handelt. Dass im Jahre 2008 für 27 Diözesen nur 95 Neupriester geweiht wurden, bewegt keinen zum Umdenken. Eine Ökumene, die die geistlichen Reserven aller Christgläubigen bündelt, ist nicht nur nicht gefragt, sondern verboten. Traditionalisten werden unter dem derzeitigen Papst gefördert wie selten zuvor in der Geschichte. Die Hoffnungen, die vom II. Vatikanischen Konzil ausgegangen sind, sind längst wieder eingesammelt worden.

Was wir brauchen: Wir brauchen eine moderne Theologie und eine Sprache des Glaubens, die heutig und verständlich ist. Vor allem brauchen wir ansprechende (und durchaus anspruchsvolle) Gottesdienste und begeisternde Verkünder des Glaubens. Das durch die pastorale Strukturreform immer größer werdende Arbeitspensum der Priester wirkt hier kontraproduktiv. Die kirchliche Moral sollte sich durchaus an den erklärten Menschenrechten, die heute fast überall Anerkennung finden, orientieren. Auf keinen Fall darf man die ach so bösen, liberalen und ungläubigen Menschen für die Krise der Kirche verantwortlich machen. Ein Bedürfnis nach Spiritualität ist vorhanden, aber die Kirche vermag es nicht aufzugreifen. Die Fehler liegen im System!

Wilhelm Weber, Pfr. i. R.
Mayen
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