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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Heilige  ›  Überlegungen zu Peter und Paul Moderatoren: Weber
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Überlegungen zu Peter und Paul  Dieses Thema wurde bisher 770 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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Weber
06 Juli 2014, 14:30 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
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Liebe Christen!

Peter und Paul ist ein Fest, das zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten der frühen Kirche zusammen bindet. Petrus steht für Tradition, für alles, was gewachsen ist, für klare und feste Strukturen, für Dauer und Unveränderlichkeit.  Petrus hat in der katholischen Kirche eine ganz besondere Bedeutung bekommen, eben auf Grund des eben gehörten Evangeliums. Die Verheißungen darin sind ja schier ohne Grenzen.
Paulus dagegen, der ursprünglich nicht zum Kreis der zwölf Apostel gehört, sich selber aber doch Apostel nennt und Apostelautorität für sich in Anspruch nimmt, steht für Veränderung, für Fortschritt, für Neuerungen, wenn die Zeiten und Situationen so etwas erfordern. Im Kreis der Zwölf ist Paulus ein Seiteneinsteiger. Er fühlt sich zum Apostel berufen, obwohl nirgendwo eine Berufung durch Jesus überliefert ist. In den evangelischen Kirchen genießt er große Verehrung und Zuspruch wegen seiner Freiheitsliebe und seinem unkomplizierten Umgang mit den Traditionen.
In den katholischen Kirchen wird am Fest Peter und Paul vor allem über Petrus und das Petrusamt, über Unfehlbarkeit und Papsttreue gepredigt, in den evangelischen Kirchen ist eher Paulus Thema der Verkündigung. Das gemeinsame Fest Peter und Paul will also sagen, dass beide Kirchenbilder und beide Ekklesiologien in der einen Kirche ihr Recht haben, dass es müßig ist, das Eine gegen das Andere auszuspielen, und dass es eine echte Lösung des Problems im Sinne von richtig und falsch nicht gibt. Die Spannung ist eben auszuhalten und in gegenseitiger Achtung und Toleranz zu ertragen.
Ähnliche Gedanken müssen unseren Papst Franziskus dazu veranlasst haben, am Weißen Sonntag dieses Jahres – wir nennen den Weißen Sonntag auch den Sonntag der Barmherzigkeit – gleich zwei Päpste heilig zu sprechen: Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. Beide Päpste haben durch ihre Amtsführung Kirchengeschichte geschrieben, doch auf sehr unterschiedliche Art. Johannes XXIII war der große Seelsorger, der das II. Vatikanische Konzil auf den Weg gebracht hat und der Kirche zukunftsweisende Reformen mit auf den Weg geben wollte, während Johannes Paul II. ein politischer Papst war, der die Welt bereiste, Massen mobilisierte und auf seine Art die Macht des Papsttums neu interpretierte. Reformen waren für ihn nicht nötig. Zwischen beiden Persönlichkeiten liegen Welten. Papst Franziskus hat beide Päpste zusammen heilig gesprochen und damit gezeigt, mit welchen Spannungen die Gläubigen leben müssen. Denn eine verbindliche Vorgabe, wie ein Papst zu sein hat, gibt es nicht. Ein Anliegen von Franziskus war es m.E. nicht, diese Heiligsprechung überhaupt vorzunehmen. Aber das sind eben die negativen Folgen eines Papstrücktritts. Franziskus sieht sich in der Pflicht, Unvollendetes von seinem Vorgänger zu Ende zu führen zu müssen. Die Nähe des Ruheständlers ist fatal.
Eine andere Frage ist natürlich, wie sinnvoll es ist, wenn der Papst andere Päpste heilig spricht. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte damals in einem Interview: „Über Jahrhunderte gibt es nur ganz vereinzelt einen heiligen Papst. Und auch mal hundert Jahre gar keinen. Und jetzt, seit Mitte des 19. Jahrhunderts, ist jeder zweite Papst entweder selig oder schon heilig gesprochen, oder der Prozess wird vorbereitet. Es gibt also, was die Päpste angeht, eine Inflation von heiligen Päpsten. Das halte ich für ein bisschen problematisch.“ Und in der kritischen Kulturzeitschrift CICERO online schreibt Redakteur Alexander Kissler: „Päpste für ihr je individuelles Papsttum auszuzeichnen, verkennt den unvergleichlichen Zuschnitt dieses Amtes. Bei Päpsten gehört die >heroische Tugendübung< zur Arbeitsplatzbeschreibung.…… Ehrgeizfördernde Fleißkärtchen und Mitarbeiterurkunden, ausgestellt vom Nachfolger, sind ein gar zu weltlich Ding.“
Was so fromm klingt, ist oft genug brisant und hochpolitisch.

Amen.     

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