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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Bibelstellen  ›  Bericht über Missbrauch in der Kirche (Mk 9,38-48) Moderatoren: Weber
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Bericht über Missbrauch in der Kirche (Mk 9,38-48)  Dieses Thema wurde bisher 54 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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Weber
20 September 2018, 20:04 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
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Beiträge: 204
Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer!

Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass Anfang 2010 der damalige Leiter des Berliner Canisius-Kollegs der Jesuiten Pater Klaus Mertes damit begann, eine Serie von Missbrauchsfällen, die in der Vergangenheit in dieser Einrichtung stattgefunden hatten, öffentlich aufzuklären. Das war gewissermaßen der Startschuss für ein öffentliches Nachdenken über sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die Öffentlichkeit verlangte Rechenschaft von den Diözesen über den Umfang solcher Fälle und den Umgang damit. Plötzlich hing der Kirche ein Makel an, den fast keiner für möglich gehalten hatte. Die Sensibilisierung für dieses Thema war nun in der Kirche, aber auch darüber hinaus in weltlichen (wir sportlichen u.a.) Einrichtungen und sogar im privaten Bereich der Familien angekommen. Die Kirche versprach schonungslose Aufklärung, aber sie ließ sich nicht in die Karten (sprich: Personalakten) gucken. Wie ein Lauffeuer ging das Thema Missbrauch in der Kirche um die Welt, und der Papst verlangte von allen Ländern Berichte über Anzahl der Fälle und den Umgang damit. Das Ergebnis war mehr als beschämend.

Andere Länder als Deutschland sind ihrer Pflicht längst nachgekommen und haben ihre Berichte vorgelegt. Deutschland ist noch dabei und wird den Bericht am 25. September in Fulda der Öffentlichkeit vorstellen. Focus-online hat bereits eine Zusammenfassung des Berichts ins Netz gestellt Danach gab es in den 27 deutschen Diözesen in den letzten 68 Jahren (also seit dem Krieg) etwa1600 Täter, meist Priester, die auf diesem Gebiet 3677 Straftaten verübt haben. (Die meisten Täter sind natürlich längst verstorben.) Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Straftaten, die in Einrichtungen von Ordensgemeinschaften oder anderen katholischen Einrichtungen geschehen sind: wie z. B. im Canisius-Kolleg der Jesuiten, im Benediktiner-Kolleg Kloster Ettal, in Einrichtungen der Regensburger Domspatzen (wo allein 500 Fälle bekannt geworden sind) oder anderen katholischen Heimen. Als Mittel gegen die Straftäter und Straftaten galt: vertuschen, verschweigen tolerieren. Pater Klaus Mertes, der damals im Kanisius-Kolleg mit der Aufklärung begonnen hatte, meint, dass wohl geschätzte 60% der Straftaten unentdeckt geblieben sind, weil keine Anzeige von den Opfern erstattet worden ist.

Kritisch wird gegen diese Studie eingewendet, dass externe Ermittler keinen Zugriff auf Personalakten der Diözesen hatten. Das Material, war zuvor von Angestellten der Diözesen ausfindig gemacht worden – nach bestem Wissen und Gewissen – wie versichert wurde. Doch auf diese Weise bleibt die Kirche selbst Ermittler in eigener Sache. Bei dieser Recherche ist festgestellt worden, dass mindestens in zwei Bistümern ganz offensichtlich Akten manipuliert und vernichtet wurden.

Das Thema ist also noch lange nicht zu Ende. Nun muss man erst mal abwarten, was die Studie genau zutage fördert. Fragen, die sich dann im Anschluss ergeben sind etwa folgende: Wie geht man mit den Geschädigten um? (Mit der Zahlung eines Geldbetrages - egal in welcher Höhe - ist es sicher nicht getan.) Wie geht man mit den Tätern um? (Das im Evangelium gehörte Mittel mit dem Mühlstein um den Hals und dann ab ins Wasser ist auch keine Lösung.) Welche Konsequenzen zieht die Kirche aus diesen Vorfällen, um Missbrauch zu verhindern? Hat der Zölibat da noch eine Chance?

Vielleicht sollte ich noch sagen, dass Kindesmissbrauch kein spezielles Problem nur der Kirche ist. Ich habe heute nur über die Kirche gesprochen. Die Gefahr des Missbrauchs von Kindern gibt es überall, wo Erwachsene mit Kindern arbeiten und zu tun haben: in allen erzieherischen Berufen, im Sport und ganz besonders im häuslichen Umfeld der Familie. Es gibt Fachleute, die behaupten, dass gerade im familiären Bereich die Dunkelziffer der unentdeckten Taten besonders hoch ist. Das ist keine Entschuldigung für kirchliche Verfehlungen, eher ein Signal für besondere Wachsamkeit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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