Forum Einloggportal
Loginname: Einen Zugang registrieren
Passwort:     Passwort vergessen?

Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Kirche  ›  Zölibat auf dem Prüfstand Moderatoren: Weber
Mitglied(er) im Forum
Keine Mitglieder und 1 Gäste

Zölibat auf dem Prüfstand  Dieses Thema wurde bisher 14 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
1 Seiten 1 Thema empfehlen
Weber
07 Oktober 2018, 20:47 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
Board Moderator
Beiträge: 204
Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer!

Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche stellte die Deutsche Bischofskonferenz am 25. September eine Studie vor, die das Ausmaß des Problems in der Zeit von1946 bis 2014 beleuchtete. Die Autoren der Studie hatten selbst keinen direkten Zugriff auf die Akten der Kirche; vielmehr arbeiteten sie mit Fragebögen, um Informationen von den Bistümern zu erhalten. Der Erhebung zufolge wurden in Deutschland in der besagten Zeit 3677 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch. Beschuldigt werden dafür 1670 Geistliche. Es wurde nichts aufgedeckt, was bis dato unbekannt war, sondern es wurde gesammelt, was in den Archiven festgehalten war und damit grundsätzlich zumindest dem Bischof bekannt war oder bekannt sein sollte. Unverständlich für mich daher das Entsetzen der Bischöfe allen voran das Entsetzen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx über das ungeahnte Ausmaß des Missbrauchs. Es wurde zwar allgemein eingeräumt, dass lange weggeschaut und vertuscht worden sei, aber nicht einer hat gesagt: „Ich habe weggeschaut“ und „Ich habe vertuscht.“

Es sind Konsequenzen angekündigt worden. Man darf gespannt sein auf das, was irgendwann kommt. Nach meinem Dafürhalten gehört ganz sicher der Zölibat auf den Prüfstand. Warum?

Die Situationsanalyse zeigt, dass die Missbrauchstäter in der Regel unverheiratete Männer sind, denen es verboten ist, ihre Sexualität in irgendeiner Form auszuleben. Die gewünschte und erwartete Sublimierung dieses Verzichts in einem überdurchschnittlichen seelsorglichen Engagement gelingt bei weitem nicht immer. Der Wunsch nach einer intimen Beziehung, der der Schöpfung grundsätzlich eingestiftet ist, findet in aller Regel in der Ehe eine legitime Erfüllung. Das gilt übrigens genauso für Menschen mit anderer sexueller Orientierung, sprich: für schwule und lesbische Menschen. Warum sollte diese Lebensform der Familie der Seelsorge abträglich sein? Familie – in welcher Form auch immer – ist ein Lern- und Erfahrungsraum, der der Seelsorge zugutekommen kann.

In der evangelischen Kirche, wo die Pfarrer verheiratet sein dürfen oder sogar sein sollen, ist sexueller Missbrauch viel seltener. Der Zölibat macht sexuellen Missbrauch vor allem zu einem katholischen Problem. Übrigens ist sexueller Missbrauch durch ständige Diakone, die ja auch meist verheiratet sind, um 80% seltener als bei zölibatären Priestern. – Und jetzt blicke ich noch einmal auf die evangelische Kirche: sie hat uns voraus, die Anwesenheit des weiblichen Anteils in der kirchlichen Amtsführung. Wo Frauen mitwirken, ändert sich die Atmosphäre. Frauen sind am allerwenigsten anfällig für sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Nicht umsonst sind Missbrauchsbeauftragte meist Frauen. Und die machen ihren Job gut.

Mit dem Wegfall des Pflichtzölibats wäre unsere Kirche natürlich noch nicht saniert, aber das eine spezielle Problem könnte dadurch entschärft werden. Und ich habe heute vor allem auf diese Frage mein Augenmerk gerichtet. – Es gibt darüber hinaus in der Kirche noch unendlich viel zu tun. Packen wir`s an!

Amen.

geloggt Offline
PrivatnachrichtPrivatnachricht
1 Seiten 1 Thema empfehlen
Thema ausdrucken Thema ausdrucken

Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Kirche  ›  Zölibat auf dem Prüfstand

Thema Bewertung
Für dieses Thema existiert derzeit keine Wertung