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  <title>Glaube</title>
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   <title>Dreifaltigkeit – eine schwierige Glaubenswahrheit</title>
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   <description><![CDATA[Liebe Christen!<br /><br />Über die Dreifaltigkeit Gottes zu predigen, ist schwierig. Um diese Glaubenswahrheit darzulegen, bedarf es nicht nur der theologischen Kenntnisse, sondern vor allem auch der philosophischen. In der Bibel gibt es noch keinen ausformulierten Glauben an den dreifaltigen Gott, höchstens ansatzweise wie z. B. im Taufbefehl am Ende des Matthäusevangeliums: „Gehet zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28, 19f.). Doch darin sind sich die Gelehrten einig, dass diese Taufformel eine spätere Einfügung ins Evangelium ist. Trotzdem ist uns nichts geläufiger als die Formel „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ am Anfang der Messe, am Anfang jeden Gebetes oder als Segensformel in der katholischen Liturgie. Doch sollten wir einem Nichtchristen erklären, wieso es in dem einen Gott drei Personen gibt, kämen wir vermutlich ins Stottern. Daher will ich drei Gedanken formulieren, die meines Erachtens ausreichen, um die Glaubenswahrheit von der Dreifaltigkeit zu erklären.<br /><br />1.&nbsp; &nbsp; &nbsp;Der eine Gott.<br />Noch kein Mensch hat Gott gesehen. Er ist nicht nur unsichtbar, sondern er ist und bleibt den Menschen grundsätzlich verborgen. Sie werden sagen: er hat sich doch offenbart. Und im Alten Testament haben Menschen wie Mose und andere leibhaftigen Umgang mit Gott gehabt. Doch bedenken sie, dass die Bibel kein Protokollbuch ist von leibhaftigen Gottesbegegnungen. Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist von Menschen geschrieben und enthält Glaubenszeugnisse, innere Gotteserfahrungen, die in bildhafter Sprache an die damaligen Menschen weitergegeben worden sind. Im übrigen heißt Offenbarung ja nicht, dass ein Vorhang aufgezogen wird und plötzlich sieht man, was man vorher nicht gesehen hat. Gott offenbart sich als der immer und grundsätzlich Verborgene. Es ist nicht leicht, Gottes Unsichtbarkeit, ja Gottes Unbegreiflichkeit als dasjenige anzuerkennen, was in erster Linie seine Göttlichkeit ausmacht. Es macht mich manchmal wütend, wenn ich höre, wie leichtfertig Kirchenmänner in der Verkündigung mit Gott umgehen. Sie behaupten, Gott genau zu kennen, seinen Willen, seine Emotionen, seine Verbote, seine Befehle. Der Prediger zimmert sich sein eigenes Gottesbild&nbsp;&nbsp;und behauptet, so sei Gott. Nein, so entstehen Götzenbilder. Der heilige Thomas von Aquin hat immer gesagt, dass man mit jeder Aussage über Gott gleichzeitig sagen müsse, dass dieser in Wirklichkeit ganz anders sei. Wenn ich also z. B. Gott Vater nenne, dann müsste ich hinzufügen, dass Gott doch ganz anders ist als alle Väter dieser Menschheit. Wir können und dürfen uns nie selber ein Gottesbild basteln, sonst landen wir im Götzendienst.<br /><br />2.&nbsp; &nbsp; &nbsp;Der Sohn Gottes.<br />Nun nennen wir Jesus den Sohn Gottes. Wir folgern das aus der Rede Jesu, der Gott seinen Vater nannte. Jesus ist im Christentum der Mensch – Jude übrigens – , der ein extrem innerliches Verhältnis zu Gott hat und total davon überzeugt war, dass er von Gott gesandt war. Dennoch ist er nicht einfach Gott, wie der Vater Gott ist, sondern er ist als Gottes Sohn Gott nachgeordnet. Wie wir versteht nämlich auch Jesus nicht immer gleich den Willen des Vaters, vielmehr hat er wie wir seine Schwierigkeiten mit dem, was Gott ihm zumutet. Wer undifferenziert von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist spricht, provoziert das Missverständnis eines christlichen Dreigötterglaubens. Jesus ist als wahrer Mensch für uns der Interpret Gottes: an Jesus und seinem Leben lesen wir ab, wie wir mit Gott, dem großen Unbekannten, umgehen und in oder nach seinem Willen leben sollen. Jesus ist einer von uns, er ist unser Freund und Bruder, aber zugleich ist er das große Bindeglied zu Gott, der sein und unser Vater ist. <br /><br />3.&nbsp; &nbsp; &nbsp;Der Heilige Geist<br />Der Heilige Geist ist der Geist Gottes. Er erinnert uns an das, was Jesus gesagt und getan hat. Der Heilige Geist ist nicht dazu da, uns ständig neue Wahrheiten (Dogmen) über Gott zu sagen, sondern an den Einen und Einzigen zu erinnern, der allein der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Und der ist Jesus. Weg, Wahrheit und Leben aber müssen in jeder Generation neu überdacht, neu formuliert und neu umgesetzt werden; denn die Zeiten ändern sich ständig. Man könnte die Aufgabe des Heiligen Geistes auch so ausdrücken: er verhilft uns in der Kirche, dem Glauben ein neues, zeitgemäßes Update zu verpassen. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, sich ihm und seinem Wirken zu widersetzen. Davor warnt schon der heilige Paulus im 1. Thessalonicherbrief (5,19): „Löscht den Geist nicht aus!“ Das sagt er nicht nur den sog. Laien, sondern den Amtsträgern gleichermaßen. Denn heute wie damals braucht die Kirche eine Zukunftsausstattung, damit sie von den Menschen wahrgenommen wird und ihre gute Botschaft Gehör findet. <br /><br />Ich finde, viel mehr braucht man nicht zu wissen über Gott, Jesus und den Heiligen Geist, die in theologischer Sprache die Dreifaltigkeit genannt werden. <br /><br />Amen.<br />]]></description>
   <pubDate>Mi, 8  2011 20:22:45</pubDate>
   <dc:creator>Weber</dc:creator>
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   <title>Gibt es eine göttliche Vorsehung?</title>
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   <description><![CDATA[Das Wort Vorsehung ist nicht ohne Grund etwas aus der Mode gekommen. Es bedeutet ja, dass hinter allem, was mit den Menschen geschieht, ein gütiger Gott steht, der auf geheimnisvolle Weise dafür sorgt, dass (wenigstens für die von ihm Bevorzugten) alles zu einem guten Ende kommt. Die Beobachtung des Lebens legt uns allerdings nahe, statt einer solchen „göttlichen Vorsehung“ eher die Vorherrschaft eines blinden Schicksals anzunehmen, das manchen Menschen Glück und Gesundheit, vielen anderen aber lauter Ängste und Unglück beschert. Angesichts des unbeschreiblichen Leidens vieler unschuldiger Menschen (Kinder!) erscheint es sogar als Zynismus, wenn jemand von der Vorsehung eines gütigen Gottes redet. Die Zweifel an einer solchen Vorsehung werden noch verstärkt durch das moderne und wissenschaftlich fundierte Weltbild, nach dem alle bekannten Vorgänge nach streng bestimmten Naturgesetzen ablaufen, die keinen „Spalt“ offen lassen, wo ein „Gott“ irgendwie eingreifen könnte.<br><br>Die Beobachtung zeigt es aber auch, dass Menschen die Wirklichkeit ihres Lebens oft extrem gegensätzlich erfahren und deshalb über Gott auch in extremen Gegensätzen sprechen können. Es gibt solche, die bereit sind, auch die absurdesten Seiten des Lebens mit dem „Willen Gottes“ zu erklären, während andere die gleichen absurden Seiten trotzig als Beweis gegen die Existenz eines Gottes betrachten. Wenn ich in beiden Fällen die Gemeinsamkeit suche, vermute ich im Hintergrund das gleiche unausgesprochene Bedürfnis: Menschen empfinden ihr Dasein nur dann als sinnvoll, wenn sie sich bejaht und in Liebe angenommen wissen. Manche haben das Glück, sich auf die Liebe eines Gottes verlassen zu können, der das scheinbar chaotische Weltgeschehen lenkt; und dieser Glaube bietet ihnen trotz aller Widrigkeiten eine Heimat. Andere haben keine bessere Möglichkeit, als sich gegen die Sinnlosigkeit ihrer „unbehausten“ Existenz aufzulehnen, um sich wenigstens durch diese Auflehnung selbst zu bestätigen und einen gewissen Halt zu gewinnen – wobei ich bemerken möchte, dass hinter ihrem Protest die unausgesprochene Überzeugung stecken muss, dass die Menschen einen „natürlichen“ Anspruch auf eine „humane Welt“ haben, was eigentlich nur durch einen „Gott“ begründet werden könnte. Mir scheint, dass der Glaube an die Vorsehung – sonst gleiche Lebensumstände vorausgesetzt – die Glaubenden glücklicher und angstfreier leben lässt. Schon aus diesem Grund könnte es sich lohnen, etwas genauer nachzufragen, ob wir im Glauben an die Vorsehung nicht doch etwas Greifbares und für uns Bedeutungsvolles finden können.<br><br>Wie hat es Jesus mit der Vorsehung gehalten?<br><br>Erinnern wir uns an seine bekannten Bilder, die uns das Vertrauen zu Gott nahe legen: „Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht ... denn Gott ernährt sie. ... Seht euch die Lilien an ... Wenn Gott schon das Gras so prächtig kleidet, ... wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!“ (Lk 12,22-31).<br><br>Könnte es sein, dass mit solchen Worten ein guter Redner nur seine Zuhörer manipulieren wollte? Es deutet nichts darauf hin, dass Jesus mit ihnen den eigenen Vorteil oder die Anerkennung seiner Person erstrebt hätte. Er war jemand, dem man glauben kann, dass er auch hier seine Überzeugung sagte. Selbstverständlich wollte er mit seinen Worten die Menschen bewegen, aber – so war er überzeugt – zu ihrem eigenen Vorteil. Er wollte, dass auch sie das Entscheidende erleben: „Sorgt euch nicht um euer Leben! ... Euch muss es um sein (Gottes) Reich gehen; dann wird euch das Andere dazugegeben.“ Auch als er von Vertrauen sprach, hatte er das „Reich Gottes“ im Blick. Leider ist es uns heute nicht mehr möglich zu sagen, was er mit diesem Begriff genau bezeichnen wollte. Ich neige zu der Annahme, dass dies nicht nur der mangelhaften Überlieferung zuzuschreiben ist, sondern dass er den genauen Inhalt dieses von ihm gebrauchten Bildes selber in der Schwebe gelassen hat. Er hat etwas erlebt, was er seinen Mitmenschen weitergeben wollte. Dabei griff er auch auf die damals verbreitete Vorstellung einer kommenden „Gottesherrschaft“ zurück, von der man die Erfüllung vieler nationaler und gewiss auch spiritueller Sehnsüchte erwartet hat. Wir sollten hier aber nicht übersehen, dass er in seinen Beispielen von ganz alltäglichen Dingen sprach („dass ihr etwas zu essen und anzuziehen habt“) als er betonte: „Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.“ Jesus wollte also nicht nur eine Vertröstung auf das Jenseits geben, sondern ein Vertrauen zu Gott begründen, das ganz konkret und greifbar unserem täglichen Leben dient! <br><br>Wir finden aber in diesen Texten nirgendwo einen Hinweis darauf, dass Jesus seine schönen Bilder für eine umfassende Welterklärung gehalten hätte – oder dass er gemeint hätte, mit ihnen den Menschen eine Art „Lebensversicherung“ geben zu können. Er hat die Welt gewiss nicht für einen großen zoologisch-botanischen Garten gehalten, wo der Chef von der Ernährung der Raben bis zur Bewässerung der Lilien alles sicherstellt und ohne Zweifel auch für die Bedürfnisse der menschlichen Belegschaft sorgt. Auch ihm war es selbstverständlich klar, dass Gott nicht nur gutmütig „seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten“, sondern mit der gleichen Sonne sie auch unbarmherzig umbringen kann, wenn sie in der Wüste ihren Weg verfehlen; und dass der gleiche Gott nicht nur „regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“, sondern sie gelegentlich auch beide mit einem Tsunami vernichten kann. Trotzdem hielt er daran fest, dass dieser „Vater“ unterschiedslos alle liebt, auch seine Feinde.<br><br>Der Glaube an die Vorsehung ist im Munde Jesu in keiner Weise eine abstrakte Feststellung, sondern gelebtes Vertrauen. Es ist das Festhalten an der grenzenlosen Liebe Gottes. Er konnte nicht daran zweifeln, dass unser Leid und Not – im Angesicht eines solchen „Vaters“ – überhaupt nur möglich ist, wenn es sich nicht um ein unabwendbares Verhängnis, sondern um den Durchgang zu einem guten Ende handelt. Und dieses gute Ende war für ihn nicht einfach das Verlöschen des Leids mit dem Verlöschen der Existenz, sondern eine persönliche Auferstehung. In dieser Auferweckung des Menschen bald nach seinem Sterben sah er allerdings nicht eine Neuauflage des bisher bekannten Lebens, sondern eine neue, eine geistige Daseinsweise, in dem sie „wie die Engel im Himmel“ &nbsp;leben (Mk 12,25-2<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Die Betonung einer „Auferstehung des Fleisches“ war und ist ein primitiv materialistisches Missverständnis des Glaubens Jesu. Wenn wir bedenken, dass Raum und Zeit nur die notwendigen physikalischen Dimensionen unserer materiellen Wirklichkeit sind, und dass der „Geist“ von uns zwar in Verbindung mit dem menschlichen Gehirn, aber keineswegs in den Dimensionen von Raum und Zeit erfahren wird, werden wir einen einwandfreien Anhaltspunkt haben für eine andere Möglichkeit des Daseins: in anderen Dimensionen, beim „Gott der Lebenden“, für den auch die verstorbenen Menschen (wie Abraham, Isaak und Jakob) einfach da sind wie die geistigen Engel, in einer Existenz, die nicht materiell bestimmt ist. Worin aber ein solches Leben genau besteht oder nicht besteht, darüber könnten wir nur etwas sagen, wenn wir Einblick in die tiefsten Zusammenhänge der ganzen Wirklichkeit hätten. Die Bilder, die die christliche Tradition dafür bereitstellt, dienen in erster Linie der Tröstung und Ermunterung im Leid und sollten nicht als Beschreibung eines künftigen Zustandes missdeutet werden.<br><br>Kann das Leid einen Sinn haben?<br><br>Auf der Suche nach einem „Sinn“ der menschlichen Leiden verweisen manche auf innerweltliche Zusammenhänge, etwa dass sie zu einer inneren Reifung der Menschen notwendig sind. Nach dieser Vorstellung dienen Leiden dazu, dass wir durch sie bis zu einem Zustand reif werden, in dem unsere „Treue zu Gott“ nicht mehr dafür herhalten muss, um unsere Anhaftung an vergängliche Dinge zu verschleiern. Wir spüren ja selber, wie unehrlich oder sogar unmöglich allein schon der Gedanke des „Hauptgebotes“ ist, Gott um seinetwillen zu lieben. Wir hängen derart an unseren ungezählten Wünschen und Interessen, dass wir ein Freiwerden von ihnen uns ernsthaft nicht einmal vorstellen können. Vielleicht kann uns erst das Leid vorbereiten, dies alles loszulassen, bis wir fähig werden, im Durchgang des Sterbens dem unzerstörbaren LEBEN entgegenzutreten. „Gottes Wille“ ist dann nicht, dass wir leiden, sondern dass wir uns vom Leid nicht besiegen lassen und aus ihm irgendwie verwandelt herauskommen.<br><br>Durch eine positive Spiritualität des Vertrauens, wie Jesus sie vorgelebt hat, können wir auch unser Leid in einem größeren Zusammenhang sehen. Ein frühes Beispiel dafür finden wir im Buch der Weisheit: „Ein wenig werden sie nur gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen“ (Weish 3,5f). Solche Worte können wir – angesichts des wirklichen Leidens – ehrlich nur aussprechen, wenn wir dabei Gottes Unbegreifbarkeit (Transzendenz) nicht aus dem Auge verlieren. Das Bild von der Prüfung des Goldes durch Feuer bleibt deshalb ein menschlicher Versuch und kann nicht als Erklärung göttlicher Absichten gelten. Unserer heutigen Vorstellung entspräche viel mehr, auch im verbreiteten Leiden ein Mittel zu sehen, das geeignet ist, die Entwicklung der Menschheit in eine gewisse Richtung zu „treiben“. Damit will ich aber keine Erklärung, nur eine positivere Sicht der belastenden Erfahrungen bieten.<br><br>Bei einem Menschen, der vom Leid getroffen ist, greift sowieso jede Erklärung ins Leere. Nützlicher als eine Erklärung ist es, sich auf den eigenen Lebenswillen zu konzentrieren. Was in allen Anfechtungen gültig bleibt, ist der Appell Jesu, uns dem Urgrund unseres Lebens anzuvertrauen. Zu einem solchen Vertrauen bot er uns das konkrete Bild des „Vaters“, auf den auch er selbst bis zum Ende vertrauen konnte. Auf diesen Vater können auch wir uns verlassen. Wir halten uns dabei an dem Gedanken fest, dass wir nicht auf ein schlimmes Ende, sondern auf eine Begegnung mit diesem unvorstellbaren Gott zugehen, auf ein Ereignis, das noch „kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat“.<br><br>Wir brauchen eine Spiritualität, die uns einen „Sinn“ nicht nur vorspiegelt, sondern ihn auch zu erfahren hilft. Eine solche Spiritualität können wir uns aber nicht einfach schenken lassen! Seit Jesus sind schon viele den Weg des Vertrauens gegangen, und sie bestätigen, dass man sich ein solches Vertrauen erarbeiten und einüben kann. Im Umgang mit dem Leid ist es ungemein wichtig, dass wir uns nicht zu viel mit ihm beschäftigen. Sollten wir nämlich an das Schlimmste denken, was anderen zustößt oder uns selbst einmal in der Zukunft drohen könnte, das könnte uns nur in die Sackgassen der Empörung oder der Verzweiflung führen. Unsere Zukunft ist ja noch durchaus offen. Unserem Leben dienen vor allem Vertrauen und Einsatz, keineswegs aber Verzweiflung und Empörung. Wir sollen uns mit dem Leiden nur so weit beschäftigen, wie es zu seiner Überwindung dienen kann, wobei aber nicht nur die Beseitigung, sondern schon das schlichte Ertragen dieser Leiden eine Überwindung bedeutet. Eine Forderung nach Erklärung oder Rechtfertigung von Seiten Gottes ist nicht nur unnütz, sondern auch schädlich, weil sie uns davon ablenkt, was wir selber tun können und zu tun haben.<br><br>Die entscheidende Frage ist immer sehr konkret: „Wie gehe ich mit der Erfahrung &nbsp;meines eigenen Leides um?“ Abstrakter gestellt heißt diese Frage: „Wie kann ich meine Endlichkeit annehmen?“ Manche Menschen können sich mit ihrem Leid so wenig abfinden, dass sie ihren quälenden Gedanken völlig ausgeliefert sind. Sie malen sich dann leicht eine Zukunft aus, in der es mit ihnen immer schlimmer weitergehen wird, was ihre Angst dann nur noch verstärkt. Aber es geht auch anders! Man kann sein Leben auch sachlicher, distanzierter betrachten und sagen: „Ich bin ja ein Mensch, und es ist gut so! Ich bin dankbar, dass ich bin. Ich werde mich auf all das konzentrieren, was in meiner eigenen Erfahrung bisher positiv war“. Er wird dann fühlen, dass diese dankbare Haltung begründet ist und ihm gut tut. Er weiß natürlich, dass sein Lebensweg, wie jeder Weg in dieser Welt, streckenweise sehr schwer werden kann, aber er verlässt sich auf seinen „Bruder“ Jesus, den nach einer tiefen Gotteserfahrung kein Leiden mehr erschüttern konnte. Er wird also auch darauf vertrauen, dass sein Weg zu einem guten Ende führt, zu einem unbeschreiblichen Licht und Glück, das schon viele Menschen erleben konnten. Es steht ja nicht nur fest, dass Menschen grenzenlos erscheinenden Leiden ausgeliefert sind, sondern auch, dass sie die größten Wunder erleben können. <br><br>Kann der Vorsehungsglaube heute bestehen?<br><br>Die Beobachtung einer Welt voll Leid und Unrecht spricht dagegen. Der vertrauende Glaube steht damit gegen vielfache Erfahrungen. Andererseits kann dieser Glaube sich auch selber auf Erfahrungen von Menschen berufen, die die Vorsehung oft als eine unerwartete göttliche Führung erlebt haben. Diese Situation ist paradox. Es sieht so aus, dass der Widerspruch für den Verstand unauflösbar bleibt, aber allem Anschein nach kann er in einer mystischen Schau auch plötzlich verschwinden, bzw. als völlig unerheblich in den Hintergrund treten. Aber es bleibt uns auch ohne mystische Erfahrung noch eine Chance, diesen Widerspruch wenigstens zu entgiften.<br><br>Wir möchten hier versuchen, einige Gedanken zu entwickeln, die – wenn auch nicht die Vorsehung als Tatsache erweisen – wenigstens die von Vielen erfahrene Wirksamkeit des Vorsehungsglaubens in ein zeitgemäßes Weltbild einfügen. Dieser Versuch muss natürlich scheitern, solange man hinter der Welt eine persönliche Gottheit voraussetzt, denn die beobachtete Wirklichkeit kann durch das Zufallsprinzip zweifellos einfacher (und deshalb logischer) erklärt werden als durch die Annahme von Gunsterweisen oder Grausamkeiten einer Gottheit, deren Charakter für uns Menschen damit unerträglich zwielichtig bliebe. Helfen könnte uns hier aber durchaus, wenn es uns gelingt, das herkömmliche Gottesbild zu „überholen“, und zwar im doppelten Sinn, indem wir es hinter uns lassen und andererseits versuchen, es vom Grund aus zu erneuern. Dieser Weg wird ermöglicht dadurch, dass wir die Transzendenz Gottes wirklich ernst nehmen.<br><br>Es scheint mir unmöglich, das Absolute als eine von der Welt getrennte Wirklichkeit zu denken, denn damit würden wir ihm bereits gewisse Grenzen zuschreiben, an denen „neben ihm“ etwas anderes anfängt. Der Gott, den wir mit unseren Gedanken nicht erreichen können, den wir gleichwohl uns irgendwie denken müssen, kann zwar nicht mit der Welt identisch sein, aber getrennt von dieser Welt kann er auch nicht sein. Wenn wir uns ihm unter dem Bild des Schöpfers nähern, werden wir sagen müssen, dass sein Wirken in der von ihm geschaffenen Welt sich nicht &nbsp;vom Wirken seiner Geschöpfe trennen lassen kann. Und auch wenn in der Gestalt des Menschen in dieser sonst determinierten Welt ein freies Wesen erscheint, wirkt die Gottheit auch in dieser Freiheit mit. Halten wir also als begründete Annahme fest: Das Wirken Gottes geschieht ständig und überall, auch in uns und in allen Wesen um uns herum.<br><br>In diesem Zusammenhang erscheint die Idee der göttlichen Vorsehung dann überhaupt nicht mehr sonderbar, denn sie ist nicht mehr systemfremd. Die Vorsehung greift nicht von außen in das Schicksal eines Menschen ein, sondern sie spielt sich in den Handlungen dieses Menschen selbst ab. Die „göttliche“ Vorsehung wird dadurch zu einer persönlichen Angelegenheit eines Menschen, vor allem eines glaubenden Menschen. Sie spielt sich in ihm selbst (und durch ihn angeregt wohl auch in seiner menschlichen Umgebung) ab, durch sein Vertrauen bewirkt, das sogar die unscheinbarsten Handlungen zu seinen Gunsten koordinieren kann. Denkbar sind zwar auch günstige äußere Umstände oder Ereignisse, die als Zufälle auch ohne Zutun eines Menschen geschehen. Wenn die Vorsehung aber mehr sein soll als die zufällige Gunst solcher äußeren Umstände, muss der Mensch die Möglichkeit einer Beeinflussung seines Schicksals wenigstens ahnen und auch ergreifen, was in Anbetracht der komplizierten Wirkweise unseres Gehirn auch ohne Mitwirkung des Bewusstseins geschehen kann. Die Vorsehung wirkt also nicht von außen in das Leben hinein, sondern durch die natürlichen Möglichkeiten und Kräfte. Sie kann freilich nur wirken, wenn die Mitwirkung eines Menschen da ist, ob diese Mitwirkung nun bewusst und frei geschieht oder auch nicht. Das ist die Realität des „Berge versetzenden Glaubens“, von dem Jesus gesprochen hat (Mk 11,23). In diesem Sinn ist aber die transzendente Gottheit, wenn jemand sie als Person denkt, ein „ohnmächtiger Gott“, weil er – um über natürliche Zufälle hinaus helfen zu können – dazu die Mitwirkung der Menschen braucht.<br><br>Der gläubige Mensch vertraut sich seinem Gott an. Wenn er den Worten Jesu schlicht folgen kann, sieht er ihn als „himmlischen Vater“, der hinter dem undurchsichtigen Weltgetriebe alles nach seinem Plan lenkt. Wenn jemand einen solchen Glauben aber als Projektion bezeichnet, hat er nichts Negatives gesagt, denn ohne Projektionen ist kein menschliches Denken möglich. Aber auch ein „aufgeklärter“ Mensch kann sehr wohl auf die rettende Kraft des alles durchwaltenden „Geistes“ vertrauen, dessen Wirkungen er in sich und um sich herum tatsächlich erfahren kann. Auf ähnliche Weise wusste sich auch Dietrich Bonhoeffer „von guten Mächten wunderbar geborgen“. Diese uns leitenden und schützenden „guten Mächte“ wurzeln in den Tiefen unserer Seelen. Wir können uns auf sie verlassen, selbst wenn sie uns in eine Richtung führen, wo unser ängstliches Ich eine „göttliche Rettung“ gerade nicht vermuten würde.<br><br>Was uns Gutes zustößt, empfinden wir einerseits als Geschenk (traditionell formuliert als „Gnade“), andererseits trifft es uns gewöhnlich nicht unvorbereitet; es konnte bei uns ja deshalb „ankommen“, weil wir offen und frei waren, es anzunehmen. Die Vorsehung gibt es, aber wir haben sie nicht als Unbeteiligte von außen zu erwarten; wenn sie wirkt, wirkt sie in uns und niemals ohne unsere Mitwirkung. Wir sind deshalb gut beraten, jede Chance einer guten Vorsehung, die wir als Geschenk erwarten, auch bewusst zu bejahen und zu ergreifen. Den direkten Weg dazu nimmt ein vertrauensvolles Gebet. Aber – ob im Gebet oder in der einfachen und vertrauensvollen (Empfangs-)Bereitschaft – am „Erfolg der Vorsehung“ werden wir irgendwie auch selber beteiligt sein: wir standen dazu bereit, oder wir haben sie teilweise selber erwirkt bzw. wenigstens „erlitten“. Natur und Gnade, Erworbenes und Geschenktes, werden sich am Ende nicht mehr unterscheiden lassen.<br><br>Es muss hier noch etwas betont werden: Die Vorsehung zielt auf das „Heil“, also auf die Gesamtheit eines Lebens. Ihr „Anliegen“ ist nicht weniger, als dass unser Leben als Ganzes zu einem Erfolg wird, so dass wir einmal rückblickend sagen können: „Alles ist gut!“. Bei einer solchen letzten und endgültigen Beurteilung wird dann nicht mehr zu unterscheiden sein, was an diesem Erfolg dem Menschen und was Gott zuzuschreiben war: Es war ein Leben, das nun in seiner Ganzheit gegenwärtig und vollendet ist! Heute können wir auf diesen Augenblick nur hoffen und darauf bauen, dass unser Vertrauen bereits das erste und vielleicht entscheidende Kennzeichen eines „guten“, eines gelingenden Lebens ist.<br><br>]]></description>
   <pubDate>Mi, 23  2006 18:12:45</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
  </item>
  <item>
   <title>Hat Gott auch mit dem Bösen zu tun?</title>
   <link>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1156349515/</link>
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   <description><![CDATA[Vor dem Horizont der Evolution<br><br>Die Schöpfung durch Evolution lässt nicht nur Liebe in den Herzen entstehen. Das Erhalten des Lebens geschieht in ständigem Wettbewerb mit allen übrigen Lebewesen, deshalb gehört die Aggressivität in der Tierwelt zu den natürlichen Verhaltensweisen. Auch von den Mitgliedern einer Gruppe von Menschen wurde von Anfang an ständige Bereitschaft zum Kampf, also eine aggressive Haltung verlangt, um ihr Leben zu schützen und ihre Nahrungsgrundlagen zu sichern. Der Lebenskampf hat aber auch innerhalb der Gruppe Wettbewerb und Rivalität verlangt, denn auch der Einzelne musste den Willen haben, etwas besser zu wissen und besser zu können als andere, dann auch sich durchzusetzen, damit natürlich auch zu herrschen. Dies war freilich nur eine Seite der Anforderungen. Innerhalb der Gruppe musste man auch zusammenarbeiten lernen, einander gegenseitig helfen, die Kinder, die Kranken und die Schwächeren schützen und versorgen. Von den einzelnen wurde sowohl Durchsetzungswille wie auch Bereitschaft zur Anpassung und Verzicht auf eigene Wunscherfüllung verlangt. Die notwendige Führung und Unterordnung konnte nicht einfach durch Zwang, sondern vor allem durch das Erleben von Geborgenheit und Liebe erreicht werden. <br><br>Die Polarität von Liebe und Aggression war (und ist) sozusagen ein Strukturprinzip des Menschseins. Diese zwei notwendigen, aber gegensätzlichen Haltungen ergänzen einander, stehen aber gleichzeitig in einer ständigen Spannung zueinander und bilden deshalb die Quelle vielfältigen Leids. Zwischen Liebe und Aggression – wie zwischen Selbstbestimmung und Anpassung – auf Dauer das richtige Maß zu finden ist keine einfache Aufgabe. Ihre ideale Lösung war (und ist) im Leben der Einzelnen und der menschlichen Gemeinschaften eher die Ausnahme als die Regel. Der Weg zum Erfolg war (und ist) auch hier – wie auf anderen Gebieten der Evolution – „Versuch und Irrtum“. Nur die wiederholte Erfahrung kann zuverlässig zeigen, was richtig, und eine ganze Reihe leidvoller Erfahrungen – &nbsp;hoffentlich – was falsch ist. Handlungen und Verhaltensweisen, die der Gemeinschaft oder ihren einzelnen Gliedern Schaden zugefügt haben, mussten deshalb den „Täter“ dieser Gemeinschaft entfremden, und das musste er auf irgendeine Weise zu spüren bekommen. Die Tatsache dieser Entfremdung wurde als „Sünde“ („Sonderung“) aufgefasst, die zunächst also nicht als „Beleidigung Gottes“, sondern als Verrat an Mitmenschen bzw. an einer Gemeinschaft erlebt wurde.<br><br>Der Zwang, durch Erfahrung zu lernen, ist eine notwendige Versuchung, die zum Drehbuch einer Schöpfung durch Evolution gehört. Es wäre aber einseitig negativ betrachtet, diesen Zwang als eine „Verführung zur Sünde“ zu beklagen. Er ist viel eher ein Ansporn zur Erkenntnis: durch Versuch und Irrtum soll der Mensch (als vernunftbegabtes Wesen!) erkennen, was im Zusammenhang des größeren Ganzen auch für ihn selbst richtig und gut ist. Das Lernen durch Erfahrung ist also nicht nur Versuchung, sondern zugleich Anreiz zur Bewusstwerdung der eigenen Verantwortung und damit ein Anreiz zur Menschwerdung in bestem Sinne! Die Menschwerdung des Menschen ist ein Lernprozess, der nur allmählich gelingen kann, durch Verinnerlichung auch von schlechten Erfahrungen der Folgen von Egoismus, Verantwortungslosigkeit und Barbarei. Dieses Lernen aus Erfahrung ist natürlich auch eine ständige Quelle von Leid. Und es wird auch niemanden wundern, wenn ein solcher Weg nach außen wie eine endlose Reihe von Rückschlägen und Rückfällen aller Art erscheint und über lange Strecken kaum einen Fortschritt erkennen lässt.<br><br>Kurz zusammengefasst: Vor dem Horizont der Evolution können wir das „Böse“ in den Menschen als fehlgeleitete Formen der natürlichen Aggressivität begreifen; als schädliche Handlungen, die nicht mehr durch eine sichere „Programmierung“ tierischer Instinkte gelenkt, aber auch noch nicht durch Einsicht und Verantwortung geleitet sind. Die durch die Evolution erreichte Freiheit der Menschen machte natürlich auch das bewusst gewählte „Böse“ möglich, aber es ist zweifellos nicht selten, dass das Böse durch Menschen, die in ihrer Entwicklung irgendwie geschädigt (also krank) sind, zwangsläufig geschieht. Das Böse gehört deshalb genau so in den natürlichen Zusammenhang des Lebens wie etwa Krankheiten oder Naturkatastrophen.<br><br>Wer die aktuelle Berichterstattung der Medien unserer Zeit vor Augen hat, könnte leicht den Eindruck bekommen, dass die Welt der Menschen von Egoismus, Brutalität und Gemeinheit erfüllt ist. Bei der Beurteilung dieser Meldungen sollten wir aber bedenken, dass die Aufmerksamkeit der Menschen – wie auch vieler Tiere – von Natur aus auf solche Reize ausgerichtet ist, die auf eine mögliche Bedrohung hinweisen. Die Faszination, die für uns von allem Bösen, von Skandalen und Katastrophen ausgeht, ist schlicht eine Erbschaft der Evolution. Eine gute Nachricht quittieren wir nur kurz als beruhigenden „Normalzustand“, um dann – um keine böse Überraschung zu erleben – &nbsp;instinktiv und ganz schnell wieder unsere „Sicherungshaltung“ aufzunehmen und nach möglichen Bedrohungen, also nach schlechten Nachrichten Ausschau zu halten. Die Begebenheiten, die wir gern weiter erzählen bzw. auch gern hören wollen, sind weit davon entfernt, eine objektive Beschreibung der „Welt der Menschen“ zu sein! Wir alle kennen auch großartige Menschen, von denen wir aber selten spontan etwas erzählen. Es geht hier nicht darum, einen beklagenswerten Zustand der Menschheit schönzureden. Die von den Medien erhaltenen Informationen sind durchaus geeignet, uns zu beunruhigen. Aber es kommt auf die Perspektive an: Was sind schon die wenigen Zehntausend Jahre seit der Entstehung des menschlichen Bewusstseins im Vergleich mit den Jahrmillionen der vorausgegangenen Evolution? Die Entwicklung der Menschheit ist – so können wir vermuten und hoffen – noch lange nicht zu Ende; wir sind nach wie vor in einem schmerzhaften Lernprozess und weit davon entfernt, was Menschen noch werden können. Wir sind für unsere Zukunft verantwortlich – ein jeder auf seinem Platz. Es liegt auch an einem jeden, dass dieser Prozess einen guten Verlauf nimmt.<br><br>Ein Gottesbild ohne den „Widersacher“<br><br>Wenn wir heute von einem Schöpfer reden wollen, müssen wir die konkrete Evolution, wie sie von der Wissenschaft rekonstruiert wird, einschließlich des Bösen, als den Willen dieses Schöpfers ansehen. Auf dieser Grundlage belastet uns das „Böse“ in den Menschen zwar immer noch, aber nicht nur weil wir uns persönlich bedroht fühlen, sondern weil wir auch zutiefst überzeugt sind, dass es eigentlich nicht sein soll. Aber immerhin, das Böse hat dann zweifellos seinen Platz in unserem Weltbild. Es wird erst im Angesicht eines allmächtigen und guten Gottes wirklich unerträglich, dessen Existenz die herkömmliche christliche Glaubenslehre voraussetzt. Für Christen ist die Diskrepanz zwischen einem wissenschaftlich fundierten Weltbild und einem nicht genügend reflektierten „Glauben“ ein Skandal. Die angemessene Antwort auf diesen Skandal ist meines Erachtens weder Atheismus noch Nihilismus, sondern eine längst fällige Revision des „konventionellen“ Gottesbildes, insofern es nicht mehr mit unseren Erkenntnissen zu vereinbaren ist.<br><br>Schauen wir jetzt vor diesem Hintergrund nach, ob unser evolutionäres Weltbild auch Korrekturen am Gottesbild Jesu verlangt. Jesus sah in dem EINEN, dessen Namen man aus Ehrfurcht nicht aussprechen durfte, zweifellos den Ursprung des ganzen Kosmos. Wir können dabei sicher sein, dass er die Krankheiten, die menschliche Aggression und überhaupt das Leid in dieser Schöpfung sehr wohl gesehen hat. Trotzdem findet sich in der ganzen Überlieferung keine Spur davon, dass er dies alles mit einem Hinweis auf die unerforschlichen Verfügungen eines Gottes „erklärt“ hätte, der in seiner Allmacht genau so gut auch eine ganz andere Welt hätte erschaffen können. <br><br>Wollte Jesus die Übel dieser Welt überhaupt erklären? Für ihre Erklärung haben die Menschen bisher vor allem zwei Möglichkeiten gesehen: die Übel mussten entweder vom Schöpfer dieser Welt, oder von einer anderen, vom Schöpfer verschiedenen Macht kommen. Für unsere christlichen Vorfahren war es selbstverständlich, dass es einen „bösen Feind“ gab, der die gute Schöpfung eines guten Gottes derart verdorben hat. Diese Meinung fanden sie auch in der Bibel vielfach bestätigt. Dachte Jesus auch so? Im Zusammenhang mit seinen Krankenheilungen können wir Ausdrücke lesen, die dies nahe legen. Von einer kranken Frau sagte er z. B., dass &nbsp;„der Satan sie schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt“; und bei der Heilung eines epileptischen Jungen lesen wir: „Jesus aber drohte dem unreinen Geist und heilte den Jungen“ (Lk 13,16; 9,42). Zum richtigen Verständnis solcher Sätze müssen wir beachten, dass die Menschen sich damals alle möglichen Naturkräfte personalisiert vorgestellt hatten. Hinter verschiedenen feindlichen (also „bösen“) Aspekten der Welt, wie den körperlichen und psychischen Krankheiten, sahen sie böse Geister, oder sogar den Teufel (Satan). Jesus war überzeugt, dass es der „Wille des Vaters“ ist, die Menschen von solchen lebensfeindlichen Einflüssen zu befreien (Mt 18,14; Lk 11,20), aber dazu war es keineswegs nötig, eine dem guten Vater gegenüber stehende persönliche Macht des „Bösen“ vorauszusetzen, die für alles Negative verantwortlich wäre.<br><br>„Satan“, der missgünstige „Ankläger“ des Gerechten, zählte im Buch Ijob noch zu den Mitgliedern der „Familie Gottes“ (einer der „Gottessöhne“ Ijob 1,6), Jesus aber sah in einer Vision diesen Ankläger „wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,1<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Dieses geschaute Bild enthält nicht die leiseste Andeutung der Vorstellung, dass die Menschen diesen Satan (da auf die Erde gefallen!) jetzt erst recht zu fürchten hätten. Es legt im Gegenteil einzig den Aspekt nahe, dass ein derartiger „Gottessohn“ ganz radikal aus der Nähe des „Vaters“ entfernt wurde! Für mich bedeutet dies konkret, dass aus dem Gottesbild auch die letzte Spur von Missgunst entfallen ist: Die „gute Nachricht“ Jesu bietet keinen Platz für einen Import des persischen Dualismus (Ahriman) in der Gestalt des Satans oder Teufels, der die gute Schöpfung des guten Gottes verdorben hätte.<br><br>Jesu Vertrauen zum „Vater“ war so groß, dass es offenbar auch von der erdrückenden Erfahrung der menschlichen Bosheit und des Leids nicht angefochten wurde. Warum? Die Antwort auf diese Frage hat er leider nicht weitergegeben. Wenn ich eine Vermutung aussprechen darf: Er hat den Vater selber erlebt, aber er machte sich kaum Gedanken darüber, dass seine Zuhörer gänzlich andere Erfahrungen hatten. Ihm wurde leider nicht genügend Zeit geschenkt, darüber zu reflektieren, wie er in dieser Lage seine Einsicht und seine Sicherheit den Menschen wirkungsvoll weitergeben könnte. Als Folge dessen werden seine unzähligen Anhänger auch nach der Verbreitung der „guten Nachricht“ bis heute von der Frage gequält, warum es so viel Schlimmes in der Welt gibt, wenn Gott als einziger Schöpfer und liebender Vater doch allmächtig ist.<br><br>Aber was bedeutet es überhaupt, von Gott als dem Allmächtigen zu reden? „Allmacht“ bedeutet für uns, dass jemand alles „machen“ kann, was wir nur denken können. Aber woher wissen wir, dass Absolute ähnlich „denkt“ wie wir, dass also für „Gott“ eine wesentlich andere Welt – eine Welt ohne Leid, ohne Aggression, ohne Unrecht, ohne Katastrophen – genau so möglich erscheint wie uns. Ich glaube nicht, dass er einfach willkürlich in das von ihm selbst bestimmte Naturgeschehen eingreifen könnte, um mich und andere vor Leid oder vor Schaden zu bewahren. Ich halte allerdings an der vielfach gemachten Erfahrung fest, dass er uns retten kann, durch unseren Glauben, und durch menschlichen Einsatz!<br><br>Den Befund im Sinne Jesu deuten<br><br>Im Folgenden versuche ich das bisher Gesagte in ein zeitgemäßes Weltbild einzupassen. Die moderne Wissenschaft beschreibt uns eine Welt im Werden, wo aus undifferenzierter Energie des Anfangs (Urknall) immer differenziertere Materie, dann aus der unbelebten Materie Leben, aus den einfachsten Lebensformen immer differenziertere Arten, und schließlich aus der Determiniertheit tierischer Instinkte die ersten Anfänge menschlicher Freiheit und Selbstbestimmung entstehen. Kurz gesagt: Wir sehen einen Kosmos, in dem aus einem Minimum von Vorgaben und Gesetzmäßigkeiten ein unbeschreiblicher Reichtum und schließlich – als Krönung – sozusagen Geist aus der Materie erblüht, um sich weiter zu vervollkommnen. Mit dem Bewusstsein, mit dem „Geist“, tritt in der materiellen Welt etwas wesentlich Neues auf, denn dieser Geist ist imstande, die Welt mit allen ihren Kräften und Gesetzmäßigkeiten abzubilden (=erkennen) und selber gestaltend in den Weltprozess einzugreifen. In diesem Sinn kann man auch die Gene, die materiell chiffrierten Baupläne der Lebewesen, als Ausdrucksformen von Geist begreifen. Die Einsicht drängt sich geradezu auf, dass Geist in der Welt nicht erst mit dem Erscheinen des Menschen auftritt, und dass er nicht nur zum Verstehen, sondern auch zum Entstehen des Alls und seiner Einzelheiten unerlässlich ist. <br><br>Im Ganzen gesehen scheint mir die Evolution eine Richtung zu haben, die allerdings unter der methodischen Voraussetzung der Naturwissenschaften nicht in den Blick zu bekommen ist. Es lässt sich auf jeden Fall nicht bezweifeln, dass auf der Erde immer differenziertere Arten entstanden sind bis zum heutigen Menschen. Und es ist nicht zu übersehen, dass in der bisherigen Geschichte des Bewusstseins immer mehr Menschen zu immer mehr Erkenntnis kommen. In diesem Prozess geht es aber nicht nur um Welterkenntnis (Wissenschaft) und Weltbeherrschung (Technik), sondern auch um eine tiefere Erkenntnis von Gut und Böse (Ethik). Die Geschichte des menschlichen Geistes hat unübersehbar eine ethische Ausrichtung angenommen. Es mag zwar stimmen, dass die Menschen seit dem Altertum nicht viel besser geworden sind. Es stimmt aber auch, dass ihr Bewusstsein sich seitdem gewaltig verändert hat und sich immer noch, und sogar immer schneller weiter verändert. In der Antike und im frühen Mittelalter wurde noch jede Unmenschlichkeit fraglos als naturgegeben hingenommen. Noch im Mittelalter gehörten öffentliche Hinrichtungen durch grausame Folter zum Alltag europäischer Städte. Seit der Aufklärung aber beginnt das Bewusstsein für Menschenwürde und Menschenrechte immer mehr auch realen Einfluss auf das Leben auszuüben. Daran ändern auch alle Verbrechen unserer Zeit nichts, ob sie im Namen einzelner Diktaturen oder des so genannten freien Marktes begangen werden, denn auch sie können nicht mehr idealisiert bzw. als naturgegeben hingestellt werden. Die beklagten Missstände bringen vielmehr immer stärker die Notwendigkeit ihrer Überwindung durch verbindliche ethische Normen ins Bewusstsein.<br><br>Können wir diese Richtung der Entwicklung im Sinne Jesu deuten? Ich erinnere hier daran, was Gott in der biblischen Schöpfungsgeschichte nach dem Sündenfall sagt: „Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse“. Der Prozess der Bewusstwerdung ethischer Werte ist gleich am Anfang der Bibel als „Gott ähnlich Werden“ beschrieben! Wenn wir etwas über die Ausrichtung der kosmischen Entwicklung vermuten können, ist es eine Entwicklung zu immer mehr Bewusstheit (&quot;Geist&quot;), was die Menschen – nach der Sicht der Bibel – Gott ähnlich macht. Sinn und Ziel des ganzen evolutionären Prozesses wäre demnach ein „Werden wie Gott“ als Entfaltung des Bewusstseins, des „Geistes“, der als schöpferisches Prinzip, als ein Ausdruck des Göttlichen aufgefasst werden kann. Eine solche geheimnisvolle innere Ausrichtung und Zielsetzung der Menschen (und durch sie der ganzen Schöpfung) hat Jesus gesehen und ausgesprochen, – freilich in seiner ganz konkreten Art ohne abstrakte Begriffe – als er sagte: „Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann werdet ihr Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen!“ (Lk 6,27-36).<br><br>Wer von der „Verkehrtheit der Welt“ bedrückt mutlos und resigniert fragt, ob das ganze Drama der kosmischen Geschichte mit den kleinen Menschen und ihrem großen Leid überhaupt einen Sinn hat, muss bedenken, dass man einen Sinn niemals wissenschaftlich nachweisen kann. Man kann aber an einen Sinn glauben – und durch diesen Glauben den Sinn auch erleben! Diesen Glauben hat Jesus gelebt, ihn wollte er auch weitergeben. Sein Glaube war kein steriles „für wahr Halten“ von irgendwelchen Behauptungen, sondern mutig vertrauendes Leben! Seine Botschaft möchte ich in diesem Zusammenhang so deuten: der Mensch soll den Sinn seines Lebens weder nur glauben, noch durch seinen Willen selber setzen, sondern er soll ihn direkt erleben, und zwar im Überschreiten der Grenzen seines kleinen Ichs: Er soll den Sinn seines Lebens und Leidens in der Liebe zu Gott und zum „Nächsten“ finden; er soll diesen Sinn sozusagen „erlieben“!<br><br>Die von uns skizzierten Züge des evolutionären Weltbildes, die die Entstehung des Leids und der Erfahrung des Bösen beschreiben, sind nach meiner Meinung durchaus geeignet, unsere quälenden Fragen nach dem Leid und dem Bösen in der Welt wenigstens ruhig zu stellen. Man könnte diese Gedanken noch mit folgender Überlegung ergänzen: Wenn es stimmt (was Jesus vorausgesetzt hat), dass der Schöpfer freie Menschen erschaffen wollte, damit sie seine allumfassende Liebe bewusst wahrnehmen, weitergeben und damit erwidern können, – dann musste diese Welt so ähnlich beschaffen sein, wie sie ist. Denn eine solche Liebe ist in einem Schlaraffenland ohne Leid und Not, wo die Menschen – wie lauter wohlgenährte und behütete Babys im warmen Fruchtwasser – ihr Glück nur zu genießen hätten, gar nicht vorstellbar!<br><br>Was unsere leidvolle Welt mit dem Wesen eines Schöpfergeistes zu tun hat, werden wir so lange nicht verstehen, wie dieses Wesen uns unzugänglich bleibt. Auch wenn er uns in unserem eigenen „Geist“ wahrscheinlich näher ist, als wir vermuten, „zu verstehen“ ist er nicht. Wir können auch nicht hoffen, ein „besseres“ Gottesbild zu finden, um damit das Theodizeeproblem aus der Welt zu schaffen. Die Lösung ist viel einfacher: wir haben zu verinnerlichen, dass unsere Gottesbilder unserem Leben dienen, nicht aber die Rätsel der Welt lösen sollen. Auch die von uns ausgesprochenen Gedanken reichen selbstverständlich nicht aus, um unsere konkreten Leiden und alle Schrecken dieser Welt „weg zu erklären“. Aber sie können vielleicht den Weg des Vertrauens erleichtern zu einem unbegreiflichen Gott, der die Liebe ist, aber gewiss noch viel mehr als nur Liebe. Von einem solchen Gott hat Jesus gesprochen – und dabei alle scheinbar widersprechenden Beobachtungen einfach stehen gelassen. Seit er Gottes Nähe erfahren hat, war er sicher, dass nicht die Übel der Welt, sondern die Überwindung dieser Übel die „Sache Gottes“ ist! Das hat ihm als „Gottesbild“ zum Leben genügt.<br><br>Die Perspektive Jesu war in diesem Punkt von der des Ijob gänzlich verschieden. Er hat nicht nur gottergeben festgestellt: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen“ (Ijob 1,21), als stünde der Mensch den Verfügungen Gottes (wie einem blinden Schicksal) ohnmächtig gegenüber. Stattdessen fragte er: Was verlangt „mein Vater“, der alles Vertrauen verdient, jetzt, von mir, zu tun. Dies aber gerade nicht mit dem übersteigerten Selbstbewusstsein, dass „ich“ nun aufgerufen oder gar verpflichtet wäre, alle Übel der Welt zu beseitigen! Jesus hat nicht nur gesagt, dass „unser Vater“ jedem Leidenden nahe ist, sondern er hat auch fest darauf vertraut, dass dieser Gott mit seiner Liebe ganz gewiss erreichen wird, was unsere Möglichkeit nicht schafft, nämlich alles zum Guten zu führen. Für eine solche „Lösung“ des Problems stand damals das Bild der erwarteten „Gottesherrschaft“, das Jesus nicht geschaffen, aber in seine Verkündigung eingebaut hat. Er war einfach überzeugt, dass Gott das Leid der Menschen nicht wie eine Kleinigkeit übersehen kann, sondern es schließlich und endgültig „vergessen machen“ wird.<br>]]></description>
   <pubDate>Mi, 23  2006 18:11:55</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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   <title>Ist Gott der Schöpfer auch des Leids?</title>
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   <description><![CDATA[Die Erfahrungen menschlichen Leids (z. B. in Krankheiten und Naturkatastrophen) berühren uns so stark, dass viele Menschen in dieser Welt keine gelungene Schöpfung sehen können. Wenn sie dann auch noch die christliche Botschaft von einem liebenden und allmächtigen Vater hören, empfinden sie die Diskrepanz zwischen dem verlangten „Glauben“ und der erlebten Wirklichkeit beinahe unerträglich. Wie kann denn ein guter Gott all dieses Leid wollen oder überhaupt nur ertragen, wenn er es doch mit seiner Allmacht auch leicht verhindern könnte? Diese schwere Frage (als „Theodizeeproblem“ bekannt) bleibt eine große Belastung des Gottesbildes und eine unbewältigte Herausforderung des christlichen Weltbildes. Zu dieser Frage habe ich in meinem Buch „Jesus oder Paulus“ (s. Buchbesprechungen) bereits einige Gedanken dargelegt, die ich hier nicht wiederholen will.<br><br>Es ist in der Tat so, dass wir eine menschliche Person, die so viel Leid bewusst herbeiführen würde, in keiner Weise rechtfertigen könnten. Ich hörte neulich einen Freund sagen: „Wenn ich den Schöpfer vor mir hätte, würde ich ihm sagen: Mein Lieber, das hast du aber schlecht gemacht!“ Ich habe dazu nur bemerkt, dass es sinnlos ist, einen „Gott“ auf diese Weise zur Rechenschaft ziehen zu wollen, denn einen solchen „Gott“ gibt es nicht! Wer so etwas sagt, müsste erst bedenken, dass er den wirklichen Gott gar nicht kennt.<br><br>Wenn wir mit dem menschlichen Leid ein Problem haben, dürfen wir die Suche nach Lösungen nicht bei Gott anfangen, den wir nicht verlässlich in unsere Gedanken „einbauen“ können. Wenn wir ehrlich vorgehen wollen, müssen wir zuerst solche Gesichtspunkte prüfen, die uns einigermaßen zugänglich sind – und das sind unsere eigenen Gedanken und Gefühle. Sie bilden ja die Voraussetzung auch für jemanden, der meint, dem „Schöpfer“ wegen mangelhafter Qualität seines Werkes Vorwürfe machen zu müssen. Wenn wir dann unser Denken und die ihm zugrunde liegenden Informationen analysieren, wird es uns zwar noch nicht die erwünschte Klarheit bringen, aber wir können entdecken, dass wir unsere Begriffe nicht einfach mit der Wirklichkeit gleichsetzen dürfen.<br><br>Wir fragen hier also nicht nach einer „wahrheitsgemäßen“ Beschreibung Gottes, sondern bescheidener nach unserem spirituellen Weg, mit dem Problem des Leides fertig zu werden. Wir fangen dabei mit der Frage an: Was können wir auf realistische Weise zur Klärung des Problems voraussetzen? – In unserer Zeit können wir nur von einem wissenschaftlich begründeten Weltbild ausgehen, das durch den Begriff der Evolution gekennzeichnet ist. In der biologischen Evolution – wie wir sie kennen – hat das Leid eine wesentliche Rolle und erscheint in mehreren Zusammenhängen:<br><br>Ohne Leid kein Leben <br><br>a) Wir können beobachten, wie einzelne Individuen und ganze Biotope auf äußere Einflüsse reagieren: Überfluss und Mangel wirken überall als regelnde Faktoren der Lebensprozesse. Bei höher organisierten Lebewesen (wie auch beim Menschen) geschieht diese Steuerung durch „Lust und Unlust“; d. h. sie werden – bildlich gesprochen – durch „Zuckerbrot und Peitsche“ zur Sicherung ihres Lebens getrieben. Schmerz und Leid erweisen sich dabei als wesentliche Teile eines „Programms“, denn sie liefern die reaktionsauslösenden Reize, die die Lebewesen dazu veranlassen, Gefährdungen ihres Lebens möglichst zu vermeiden. Diese Tatsache erweist Schmerz und Leid einfach als unentbehrlich zur Erhaltung des Lebens der Individuen.<br><br>b) Die Begrenztheit des Lebensraumes und der Nahrung führt unweigerlich zu Konkurrenzkämpfen, zum bereits sprichwörtlich bekannten „Kampf ums Dasein“. Dieser Kampf sichert das Weiterleben der jeweils besser geeigneten Individuen und führt – zusammen mit den zufällig auftretenden Veränderungen des Erbgutes (Mutationen) – zu immer differenzierteren und höher entwickelteren Arten. Auch dieser Kampf bringt unausweichlich viel Leid mit sich. Das Leid erweist sich damit wieder als unentbehrlich, diesmal für jede erfolgreiche Differenzierung, für jede Höherentwicklung des Lebens.<br><br>c) Eine weitere Quelle des Leids sind die Naturkatastrophen. Die Erdgeschichte zeigt, dass die Evolution bis zum Menschen keineswegs ohne Katastrophen &nbsp;verlief. Man darf sogar vermuten, dass wiederholte Katastrophen sozusagen zum Drehbuch der Evolution der Biosphäre gehörten (z. B. beim Aussterben der Saurier), bis es am Ende – durch eine Reihe unwahrscheinlicher Zufälle – zum Erscheinen des Menschen kommen konnte. Und nichts deutet darauf hin, dass diese Geschichte schon zu Ende gekommen wäre.<br><br>Zusammenfassend &nbsp;können wir sagen: Die nüchterne Beobachtung zeigt, dass das uns bekannte Leben ohne Leid und Tod genau so wenig denkbar sind, wie menschliche Freiheit ohne Irrtum und Fehler – was eine weitere große Quelle menschlichen Leids ist, die bisher nicht erwähnt wurde. Leid beherrscht überall die Szene, wo wir auch hinschauen. Wir sollten aber nicht die Augen davor verschließen, dass dies genau so wenig das Wesentliche des Weltgeschehens ist, wie die dreckigen Windeln das Wesentliche im Kinderwagen. Leid und Tod sind nur Begleiterscheinungen, bzw. ein notwendiger Preis des großen Wunders, das man Leben nennt. Den Wert dieses Lebens kann das Leid genau so wenig in Frage stellen, wie menschlicher Irrtum und Bosheit den Wert menschlicher Freiheit.<br><br>Revision des Gottesbildes<br><br>„Aber warum ist dieser schreckliche Umweg nötig, um zu den beachtlichen Ergebnissen der Evolution zu kommen?“ – könnte man hier einwenden. Müsste nicht ein liebender Gott auch andere Möglichkeiten finden und sie mit seiner Allmacht auch verwirklichen können?<br><br>Nun, wir können bestimmt nicht alle Zusammenhänge des Weltprozesses überblicken. Wir haben zunächst bescheiden unsere Erfahrung zur Kenntnis zu nehmen: „Die Welt ist so, wie sie ist“. Wenn wir die Tatsachen mit unserem Gottesbild nicht vereinbaren können, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder täuscht uns unsere Wahrnehmung und das darauf gebaute Weltbild, oder es stimmt etwas mit unserem Gottesbild nicht. Da unsere Wahrnehmung aber (nachdem wir sie kritisch geprüft haben!) das Erste ist, das wir ernst zu nehmen haben, müssen wir logischer und ehrlicher Weise zugeben, dass das geläufige Gottesbild den Test durch die Erfahrung nicht bestanden hat, dass wir also keine Ahnung haben, wie der „wirkliche Gott“ gedacht werden könnte. Die Ehrlichkeit verlangt von uns deshalb, Korrekturen an unserem Gottesbild vorzunehmen, und wenn seine Widersprüche überhaupt nicht zu vermeiden wären, sogar jede Vorstellung von einem Gott aufzugeben. <br><br>Mittelalterliche Philosophen haben Gott als die letzte Ursache dieser Welt definiert, der – selber unbewegt – alle Geschöpfe in Bewegung bringt. Diese „letzte Ursache“ sollte ein absolut vollkommenes Wesen sein, das in sich ruhend und für sich völlig genug ist. Ein solcher „Gott der Philosophen“ könnte allerdings keine Erklärung für unsere Welt bieten, denn mit der Erschaffung der Welt hätte er sich nur eine vollkommen unnötige Spielerei geleistet, wozu er natürlich keinen Anlass gehabt hätte. Die Erfahrung der Welt legt uns in keiner Weise nahe, auf die Existenz eines solchen – am Weltgeschehen völlig unbeteiligten – „vollkommenen Wesens“ zu schließen! Andererseits ist die Welt aber auch nicht so beschaffen, dass ihre Existenz aus sich heraus schon verständlich, d. h. als selbstverständlich und notwendig erscheinen könnte. Ihr Dasein verlangt nach einer Erklärung, die unser Verstand auch als einleuchtend anerkennen kann. Als Begründung für die Existenz der Welt könnte mir am ehesten eine zunächst unvorstellbare Wesenheit („Gottheit“) &nbsp;einleuchten, die im Weltprozess sich irgendwie selbst verwirklicht, also aus sich heraus etwas entfaltet („ausdrückt“), was zu seinem Wesen gehört: die wirkliche Gottheit müsste also irgendwie „innig“ mit seiner Schöpfung verbunden sein und müsste auch wesentlich etwas mit den für uns unverständlichen Aspekten dieser Welt zu tun haben.<br><br>Was ist denn vor allem bemerkenswert unverständlich am ganzen Leid und an der von Menschen beklagten „Ungerechtigkeit“ in der Schöpfung? Vor der Kulisse der Evolutionsgeschichte (d. h. „wissenschaftlich“) betrachtet, ist doch alles begründet und selbstverständlich. Richtig auffallend ist allein die menschliche Auflehnung gegen die Herrschaft eines solchen „Schicksals“! Diese Auflehnung ist nicht nur ein Protest des betroffenen Opfers gegen den Schmerz, sondern wir sind auch innerlich überzeugt, dass hier ein Unrecht geschieht, dass so etwas in einer „richtigen“, in einer „gerechten“ Welt nichts zu suchen hat! Woher denn diese Vorstellung einer „gerechten“ Welt? Sie setzt einen Anspruch voraus, der gleichsam „natürlich“ besteht und deshalb keiner Begründung bedarf. Wer gibt uns denn die Sicherheit eines solchen „Glaubens“?<br><br>Der Apostel Paulus, der zweifellos auch mystische Erfahrungen hatte, sprach anschaulich von einer inneren Einsicht, projizierte sie zugleich nach außen und gab ihr eine theologische Deutung. Er schrieb, dass „die &nbsp;gesamte Schöpfung seufzt und in Geburtswehen liegt“, d. h. unter seinem jetzigen Zustand leidet, aber dabei auf etwas Besseres ausgerichtet ist, nämlich auf eine Befreiung „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,18-25). Eine solche Sehnsucht und Hoffnung auf einen möglichen oder sogar versprochenen Zustand der „Einheit“ („Paradies“, „Himmel“, „Nirwana“ u. a.) ist ein sehr wirksames Motiv vieler Religionen. Dieses Motiv zeigt, worauf es ankommt, um das unvermeidliche Leiden zu bewältigen: es ist die Hoffnung und die innere Überzeugung, dass alles Negative nur ein Übergang ist. Größte und vertrauenswürdigste Persönlichkeiten der Menschheit (Jesus, Buddha) haben mit ihrem Leben gezeigt, welche Tragkraft ein solcher Glaube hat.<br><br>Erfahrung des tragenden Grundes<br><br>Schauen wir nur auf Jesus: Für ihn war das Leid in der Welt nicht etwas, was vor allem zu erklären, sondern was schlicht zu überwinden war. Er fragte nicht „Wie kann Gott ...?“, er forschte also nicht nach Eigenschaften Gottes, die erklären könnten, was in der Welt für uns unerträglich erscheint. Er verließ sich auf seine große Erfahrung des Transzendenten, dessen „Zuwendung“ ihn „getroffen“ hat. Die einzige aussprechbare Mitteilung dessen, was er bei seiner „Taufe“ erlebt hat, war sein Sprechen von „Abba“, von unserem „ VATER im Himmel“, den man nur lieben – nicht aber durchschauen konnte! Er betonte einzig das Vertrauen zu Gott, auf den seine „Kinder“ sich verlassen können, den sie lieben können – auch wenn er der Unfassbare bleibt.<br><br>Das glaubende Vertrauen Jesu hat diese zwei Vorzüge: Wer sich – wie er – auf diesen VATER verlassen kann, bewahrt (intellektuell) die Transzendenz Gottes und glaubt zugleich (emotional) die Güte des unerklärlichen „Grundes“ seines Lebens. Ein solcher Glaube ist nichts anderes als die freie Entscheidung eines Menschen, den Sinn seines Lebens zu bejahen. Diese Entscheidung ist nur jemandem möglich, der in seiner tiefsten Seele – viel tiefer, als rationale Erwägungen reichen – sich auf einen liebenden Grund verlassen kann. Jesus forderte dazu auf und versicherte uns, dass ein solches Vertrauen möglich ist. Jemandem, der meint, er sei dazu nicht imstande, würde er einfach sagen, dass gerade er deshalb um dieses Vertrauen bitten soll: „Bittet, dann wird euch gegeben; klopft an, dann wird euch geöffnet!“ Jesus nennt allerdings auch eine Bedingung dazu: „Kehrt um!“, ändert euer Denken radikal, hört auf, weiter um euer „Ich“, um eure Selbstbehauptung, um eure Angst, um eure Interessen zu kreisen; öffnet euch für den Unberechenbaren, der euch liebt!<br><br>Wo finden wir den Punkt, von dem aus wir mit einem solchen „Glauben“ – wie mit einem Gleitschirm – von unserem Ich abspringen können? Auch wenn wir auf Vieles in der Welt mit Unverständnis oder sogar mit Empörung reagieren, finden wir doch Hinweise auf ganz andere Dimensionen. Es kann die Begegnung mit einem einmaligen Menschen sein, der Anblick des Sternenhimmels, einer Bergwiese oder von Kinderaugen, was jemanden so „berührt“, dass er eine große und tiefe WIRKLICHKEIT erahnt. Man kann nachdenklich werden, wenn man die Einfachheit der Naturgesetze zugleich mit der erstaunlichen Komplexität des Weltprozesses betrachtet. Auf mich persönlich machte die Erfahrung des „Geistes“ den größten Eindruck: Ich erlebte im eigenen Denken nicht selten eine „Macht“, die offensichtlich nicht auf rein materielle, biologische oder soziologische Faktoren zurückzuführen war. <br><br>Es wäre müßig, von mir hier den Beweis der Existenz von der Materie unabhängiger „Geister“ zu verlangen. Ich wage nicht einmal, für „Geist“ eine einwandfreie Definition zu liefern, außer der negativen, dass die von mir genannten Erscheinungen aus den Gesetzmäßigkeiten der „normalen“ Physik und Chemie nicht zu erklären sind. Ich weiß selbstverständlich auch von den beachtlichen Erfolgen der modernen Hirnforschung, die den Zusammenhang zwischen unserem Bewusstsein und Aktivitäten des Gehirns immer besser erhellen. Angesichts dessen, was ich „Geist“ nenne, erscheinen sie mir aber eher wie die Erfolge eines Kindes, das an meinem PC gerade entdeckt, wie das Drücken einer Taste mit dem Erscheinen eines Zeichens einhergeht. Wenn die Hirnforschung so weiter macht, wird sie noch mehr erklären können. Aber wie Menschen dazu kommen, solche Geräte zu erfinden, und erst recht, wie sie dazu kommen, etwa nach einer letzten Begründung der von ihnen erfahrenen Wirklichkeit zu suchen, das ergründen zu hoffen halte ich für eine kindliche Anmaßung von „ernsten“ Wissenschaftlern. Es bleibt aber eine unbestreitbare Tatsache: Es ist geradezu ein Kennzeichen der Menschen, dass sie Solches tun können! Sie erschaffen sich eine Kultur, die auch Philosophie und Musik produziert. Unter ihnen erscheinen „Geister“ wie Sokrates, Buddha und Jesus – oder auch Albert Einstein – und sie werden hoch geschätzt.<br><br>Ist eine Erkenntnis Gottes möglich?<br><br>Wir kamen zu diesen Gedanken auf dem Weg der Suche nach einer Korrektur des Gottesbildes, die die Erfahrung unserer leidvollen Lebenswirklichkeit möglicherweise von uns erzwingt. Wir sind soeben der Tatsache bewusst geworden, dass das Phänomen des GEISTES – zwar nicht aus der Materie erklärbar – aber genau so elementar zur Wirklichkeit gehört wie das Phänomen der Materie. Dann muss aber der für uns unerreichbare transzendente URGRUND dieser ganzen Wirklichkeit sowohl mit der erfahrbaren Materie wie mit dem erfahrbaren Geist tief und innig verbunden sein. Wenn ein Streiter für traditionelles Christentum dagegen protestiert, weil diese Vorstellung ja nach dem von ihm verpönten Pantheismus riecht, dann möchte ich bescheiden darauf hinweisen, dass unsere biblischen Vorfahren zu einer Zeit, da die ersten Feldzüge mit großen Schlachten die Menschen beeindruckten, ihre Gottheit als den „Herrn der Heerscharen“ bezeichneten. Wenn uns heute der GEIST beeindruckt, dessen Manifestation wir im Menschen – wie auch im Makro- und im Mikrokosmos – bewundern, kann es heute nicht anrüchiger sein, ihn als eine das All durchdringende geistige Macht (Potenz) sich vorzustellen.<br><br>Wenn wir diese – mehr erahnte als gekannte – Gottheit nicht nur „Urgrund allen Seins“, sondern auch „Weltgeist“ nennen, bleibt es uns dabei doch bewusst, dass wir damit keine greifbare Eigenschaft genannt und keine Definition geliefert haben. Dieser „Urgrund“, dieser „Geist“ ist einfach in allem da, was wir erfahren oder auch nur denken können. IHM können wir nicht ausweichen, auch wenn wir ihn nirgendwo unbezweifelbar als Tatsache „festhalten“ können. Mit unserer Neigung, möglichst alles zu untersuchen, möchten wir natürlich mehr über ihn wissen, denn davon könnten wir auch erhoffen, mit den Begrenzungen und Bedrohungen unseres Lebens besser fertig zu werden. – Können wir hoffen, dieses durch weitere Bemühungen erreichen zu können? – Meine Überzeugung ist, dass dazu spekulative Überlegungen allein nicht ausreichen. Die Welt als Ganzes, ihr möglicher Sinn, und erst recht die letzte Wirklichkeit, bleiben für unsere begriffliche (d. h. naturwissenschaftliche und philosophische) Analyse unzugänglich. Um die Zusammenhänge der Ganzheit &nbsp;der Wirklichkeit zu erfahren, müssen wir uns schon tieferen Schichten unseres Selbst anvertrauen, denn der „Geist“ in uns beschränkt sich nicht auf das Bewusstsein.<br><br>Wir wissen von einzelnen, dafür besonders begabten Menschen (Mystikern), die behaupten, diese tiefste Wirklichkeit erlebt zu haben. Solche Menschen scheinen vom Leid nicht mehr so betroffen zu sein wie früher. Ihre Erfahrungen könnten wir nur zu leicht mit der kritischen Bemerkung beiseite schieben, dass ihre mystischen Erfahrungen ja nicht wiederholbar, also im wissenschaftlichen Sinn nicht verifizierbar sind. Aber müssen sie deshalb auch belanglos für uns sein? Müssen oder dürfen sie deshalb als Träumereien von Einzelnen entwertet werden? Sie könnten sich eines Tages (und vielleicht bald) als ein unentbehrlicher Schatz für unser Überleben und für die weitere Entfaltung der Menschheit erweisen. Auf jeden Fall sind sie Belege dafür, dass es neben der messbaren und berechenbaren „Wirklichkeit“ noch eine andere Dimension gibt, in der statt Leid schaffender Gegensätze die beglückende EINHEIT erfahren werden kann! Nur in dieser Dimension ist die entscheidende Erkenntnis – eine so genannte „Erleuchtung“ – zu gewinnen. Sie lässt sich nur nicht durch planmäßige Vorarbeit „erzeugen“. Das Entscheidende scheint immer als überraschendes Geschenk aufzutreten. Es lässt sich aber immerhin vorbereiten. In der Mystik erfahrene Menschen weisen auf verschiedene Wege hin, auf denen man sich mit seiner ganzer Kraft einzusetzen hat, um am Ende erst einmal meistens enttäuscht zu erleben, dass man das gesteckte Ziel aus eigener Kraft doch nicht schaffen konnte. Damit ist der Mensch aber nicht gescheitert, sondern schon bereit, ein unverdientes Geschenk anzunehmen. Eine Garantie hat er dafür allerdings nicht, wie auch schon über Mose berichtet wird, dass er – als er Gottes Herrlichkeit „sehen“ wollte – diese Antwort erhielt: „Ich gewähre Gnade, wem ich will!“ (Ex 33,19).<br>]]></description>
   <pubDate>Mi, 23  2006 18:11:02</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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   <title>Ich vertraue dem Schöpfer</title>
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   <description><![CDATA[Der Begriff eines Schöpfers benützt das Bild eines zielstrebig planenden und handelnden Menschen, etwa eines Handwerkers oder Künstlers. Dieses Bild ist nicht die einzige Möglichkeit, die Frage nach der Herkunft der Welt zu beantworten. Es gibt Schöpfungsmythen mit den Bildern von Zeugung und Geburt oder eines Kampfes, die den ältesten Erfahrungen der Menschheit mit Sicherheit näher liegen als die Herstellung eines Gegenstandes. <br><br>Bemerkenswert ist, dass gleich der erste Satz der Bibel: „Am Anfang schuf Gott ...“ im hebräischen Original statt des Namens Gottes ein Wort in Plural verwendet: „Elohim“ (wörtlich wie „Götter“). Dieses Wort könnte man aus heutiger Sicht ohne weiteres auch abstrakt als „Gottheit“ oder auch als „göttliche Kräfte“ übersetzen. Diese „göttlichen Kräfte“ tun „am Anfang“ &nbsp;nichts anderes als sprechen. Ihr „Sprechen“ könnten wir treffend als die Festlegung einer „Zielvorstellung“ bezeichnen; die einzelnen Schritte der Ausführung geschehen dann aber alle durch natürliche Kräfte des entstehenden Kosmos, die diese Zielvorstellung nach und nach verwirklichen.<br><br>Heute, vor dem Hintergrund der einfachen Weltformeln der theoretischen Physik, ist allerdings möglich geworden, sich den Schöpfer wie einen großen theoretischen Physiker vorzustellen, der „am Anfang“ (vor dem „Urknall“) eine mathematisch sehr einfache und abstrakte Struktur der Energie bzw. Materie entwirft, die aber (erstaunlich!) geeignet ist, alle Gesetze der Physik, Chemie, Molekularbiologie, Psychologie usw. zu begründen, so dass sie im Laufe einer Entwicklung den ganzen Reichtum der von uns beobachteten Welt hervorbringen konnte. Aber auch dieses Bild ist nach einem uns vertrauten menschlichen Vorbild gestaltet. Das Beobachten der uns bekannten Vorgänge bietet keinen Hinweis auf das Wirken eines Schöpfers, dessen Eingriff vom Wirken seiner Geschöpfe verschieden wäre.<br><br>Dafür erleben aber viele Menschen eine numinose Qualität des Kosmos, die von Menschen aller Kulturstufen seit Urzeiten gespürt wurde und von Vielen (auch von Naturwissenschaftlern) auch heute noch gespürt wird, etwa in den unbeschreiblichen Dimensionen des Weltalls, in der Einfachheit der Naturgesetze, in den Schönheiten der Natur, in den Schöpfungen der Kunst und Technik und ganz besonders auch in der Liebe zwischen Menschen. Sie sind fasziniert von einem großen Zusammenhang, als dessen Teil sie sich selbst erleben. Wache Menschen erahnen auf diese Weise, dass die sie umgebende Wirklichkeit nicht sinnlos und leer ist. Sie spüren, dass etwas, oder vielleicht Jemand da ist, den man „ertasten und finden könnte, denn keinem von uns ist er fern. In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,2<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Dieses „Ertasten“ geschah im Laufe der Geschichte durch die Ausbildung von Gottesbildern, die natürlich nur aus den Elementen der menschlichen Vorstellungswelt zusammengesetzt werden konnten und damit notwendiger Weise irgendwie „Menschen ähnlich“ (anthropomorph) sein mussten. Aus dieser einfachen Tatsache folgt, dass die Menschen auch sich selbst als „nach dem Bild“ ihrer Gottheit(en) erschaffen begreifen müssen.<br><br>Erinnern wir uns hier kurz daran, was wir bereits vom EINEN Gott festgehalten haben! Diese Einsicht sagt, dass alles in ihm ist und nichts von ihm getrennt – aber wie die Vielen aus dem EINEN hervorgehen und was die für uns nicht wahrnehmbare EINHEIT des Seins mit der erfahrenen Vielheit zu tun hat, das zu denken gelingt uns nicht. Immerhin, wir haben damit schon ein kleines Stück der docta ignorantia („belehrte Unwissenheit“) erreicht, wo uns eine Erkenntnis zusammen mit ihrer Begrenztheit bewusst wurde. Diese Erkenntnis wird unseren Alltag bereichern, wenn wir immer mehr verinnerlichen, dass in allem, was uns nur begegnet, „göttliche Kräfte“ wirksam sind. Aber was wissen wir von dem Gott, der durch diese Kräfte wirkt? Wir haben genug Hinweise darauf, dass die uns überlieferten Gottesbilder mehr vom Denken der Menschen als vom „wahren Wesen“ Gottes verraten. Auf jeden Fall haben wir keinen Grund, einen „göttlichen Uhrmacher“ anzunehmen, der (wie ein Mensch) sein Werk einmal fertig gestellt und aus der Hand gegeben hätte, so dass diese „Uhr“ jetzt auch ohne ihn, oder sogar entgegen seiner Vorstellung, weiter „ticken“ könnte. Die „Schöpfung“ ereignet sich in jedem Augenblick und der „Schöpfer“ ist uns immer und überall nahe, da er von uns getrennt gar nicht gedacht werden kann. Überlegen wir, was dies konkret bedeuten kann.<br><br>„Ich vertraue dem Schöpfer des Himmels und der Erde“<br><br>„Himmel und Erde“ beziehen sich hier natürlich auf den Menschen, dessen Weltbild Himmel und Erde umfasst. Er erlebt Himmel und Erde gewöhnlich getrennt: er sieht die Erde „unter“ seinen Füßen und schaut „hinauf“ zum Himmel. Ganz ähnlich schaut er aber auch auf seinen Leib „hinunter“ und wähnt seinen Geist „oben“ (im Kopf). Er ist deshalb gewohnt, wie den Himmel von der Erde, so auch seinen Leib von der Seele (bzw. Geist) begrifflich zu unterscheiden. Was getrennt gedacht wird, kann aber trotzdem in der Wirklichkeit eins sein. Für die Naturwissenschaft sind Leib und Seele nur zwei Sichtweisen des (einen) Menschen. Auch die Bibel betont, dass die „göttlichen Kräfte“ („Elohim“) Himmel und Erde zugleich und nicht von einander getrennt hervorgebracht haben. Beide bilden die eine Schöpfung des EINEN: der Himmel ist also nicht „göttlicher“ als die Erde, wie auch der Leib des Menschen keineswegs „irdischer“ ist als sein Geist. Unsere erstrebte Spiritualität – wenn wir unserem Ursprung treu bleiben wollen – wird also die Aufgabe haben, auch den Menschen als Einheit von Leib und Seele wahrzunehmen und ernst zu nehmen.<br><br>Nach der Apostelgeschichte hat Paulus in einer Rede in Athen über den „unbekannten Gott“ diesen Satz gesagt: „Wir sind von seiner (göttlichen) Art“ (Apg 17,2<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />, d. h. der Mensch ist mit dem Göttlichen verwandt. Da man ihn aber nicht in Leib und Seele aufspalten darf, muss diese Verwandtschaft mit gleichem Recht für seinen Leib wie von seiner Seele gelten. Die Kirche unserer „Väter“ wollte die Menschen noch dazu bewegen, „das Irdische zu verachten und das Himmlische zu lieben“ und damit den Leib gleichsam als Gefängnis der Seele und seine natürlichen Neigungen vor allem als Versuchungen zur Sünde und Gefährdungen seines „Seelenheils“ zu sehen. Es fiel dabei kaum jemandem auf, dass die derart empfohlene Verachtung des Leibes (und alles Irdischen) auch ein Urteil über die Schöpfung und damit eine Beleidigung des Schöpfers sein könnte. Das kirchliche Denken war bis in die jüngste Zeit der Weltsicht des im Altertum weit verbreiteten Manichäismus verpflichtet, der die Übel der Welt damit erklärte, dass die Materie nicht vom guten Gott sondern von seinem „Widersacher“ geschaffen wurde. Die alte Kirche hat zwar diese dualistische Vorstellung verworfen, war aber nicht konsequent genug, ihren Einfluss auf die eigene Lehre radikal zu überwinden. Heute sollten wir imstande sein, diesen notwendigen Schritt endlich zu vollziehen.<br><br>Wer dem „Schöpfer des Himmel und der Erde“ wirklich vertraut, wird also dankbar, im Leib zu sein, bzw. dankbar, ein Leib zu sein. – Er wird die jahrhundertelang kultivierte christliche Leibfeindlichkeit weit zurücklassen und damit die Reife des alttestamentarischen Weisen wieder erreichen, der solche Sätze schreiben konnte: „Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun? Er &nbsp;wird seinem eigenen Glück nicht begegnen.“ – „Mein Sohn, wenn du imstande bist, pflege dich selbst; soweit du kannst, lass es dir gut gehen!“ – „Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages; an der Lust, die dir zusteht, geh nicht vorbei!“ (Sir 14,5.11.14).<br><br>Wer dem „Schöpfer des Himmel und der Erde“ wirklich vertraut, wird auch vor den anderen Geschöpfen des gleichen Vaters Achtung haben. Er wird das Anders-Sein anderer Menschen, das ihm oft als fremd und damit bedrohlich erscheint, als Reichtum der Schöpfung Gottes ansehen. Diese Haltung zeigt sich in einer ehrlichen Toleranz, die erste Stufe der universalen Liebe, die in der Feindesliebe gipfelt und die Menschen dem „himmlischen Vater“ ähnlich und damit zu seinen „echten“ Kindern macht.<br><br>Wer dem „Schöpfer des Himmel und der Erde“ wirklich vertraut, wird auch Freude an seiner Schöpfung haben. Im Buch der Sprüche finden wir ein unvergleichliches Bild dazu, wo „die Weisheit“ sich selbst als ein „göttliches Kind“ schildert: „Als er (Gott) die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.“ (Spr 8, 30-31). Diese Szene verschwendet keinen Gedanken darauf, ob die Schöpfung gut ist. Die „Weisheit“ spielt – wie ein Kind – einfach und sorglos vor den Augen des Schöpfergottes. Gott hat „seine Freude“ an diesem Kind, das sich über die Menschen freut, so wie sie erschaffen sind. Aus diesem Bild strahlt die gesunde Lebensfreude eines Kindes, dessen Ansprüche allein schon mit der „Lust am Sein und am Funktionieren“ erfüllt sind. <br><br>In seinem rätselhaften Wort „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,15) hat Jesus genau diese einfache Haltung eines Kindes gegenüber Gott und seinem „Werk“ empfohlen. Ein solches Kind freut sich über alles, was Gott entstehen lässt. Es freut sich auch über das eigene Leben und lebt es im Augenblick – ob in Lust oder Schmerz – ohne &nbsp;sich von Gedanken an die Gefährdungen dieses Lebens ängstigen und lähmen zu lassen. Erst wenn jemand zu einem solchen Kind wird, ist er geeignet dafür, was Jesus das „Reich Gottes“ genannt hat. Er kann dann, auch wenn er wegen der Umstände am Leben verzweifeln könnte, trotzdem vielleicht noch sagen: „Wenn ich nur wie eine Seifenblase in der Hand eines spielenden „göttlichen Kindes“ wäre, das mich erschafft, nur um sich über mein Leben und mein Vergehen zu freuen – dann möchte ich wenigstens eine besonders schöne Seifenblase sein und besonders weit fliegen!“ Das wäre eine hohe Form des vertrauenden Glaubens an den Schöpfer. Ein solcher Mensch wäre mit dieser Hingabe schon im „Reich Gottes“.]]></description>
   <pubDate>Mi, 23  2006 18:09:49</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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