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  <title>Vaterunser</title>
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   <title>„Das andere wird euch dazugegeben“</title>
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   <description><![CDATA[<br>„Das andere wird euch dazugegeben“ &nbsp;- &nbsp;Der Stellenwert unserer Sorgen<br><br>„Euch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben“ (Lk 12,22-31). Das Vaterunser scheint nach diesem Wort Jesu komponiert zu sein: im ersten Teil geht es um Gottes Anliegen („sein Reich“), im zweiten Teil, das wir bis jetzt besprochen haben, um „das andere“, um die Anliegen der Menschen. In drei Bitten wird hier ihre Not ausgesprochen, die sich auf der Ebene des täglichen Lebens als Not der Bedürfnisse (tägliches Brot), auf der sozialen Ebene als Not der Schuldgefühle (Schuldvergebung), und auf der existentiellen Ebene als Not der Existenzangst (schwere „Proben“) zeigt. Diese Bitten werden einfach und ohne jede Dramatik ausgesprochen, obwohl die entsprechende dreifache Not die Menschen oft genug ganz bitter bedrängt.<br><br>Zum Vergleich möchte ich die „Frohe Botschaft“ des Buddha erwähnen, der in den &quot;Vier edlen Wahrheiten&quot; die Einsicht in die menschliche Not zum Ausgangspunkt seines Befreiungsweges machte: Es gibt das Leid, aber es gibt auch einen Weg, aus dem Kreislauf des Leidens zu entkommen. Dieser Weg zur Erleuchtung ist beschwerlich, aber der Mensch kann ihn gehen, gestützt auf Buddha, auf seine Lehre und auf seine Gemeinschaft.<br><br>Jesus sah die gleiche Wirklichkeit des Leides von seiner Gotteserfahrung her und gab ihr deshalb keine so zentrale Stellung. Er lehrte: Gott ist da, nimmt unsere Bedürftigkeit auf und führt uns zum Ziel. Im Gebet können und sollen wir also unsere ganze Not vor den göttlichen Vater bringen, aber erst nachdem wir uns um den „Willen Gottes“ bemüht haben. Wenn wir so beten, können wir darauf vertrauen, dass uns „das andere dazugegeben“ wird. Wie viel (oder wie wenig) dieses „andere“ ist, das Menschen zum Leben wirklich brauchen, schien ihm nicht so furchtbar wichtig zu sein, wenn einmal das „eine Notwendige“ gesichert ist.<br><br>Zu bemerken ist hier auch, dass die Welt und der Mensch von Jesus nirgendwo negativ gesehen, sondern als Gottes Werk bejaht und angenommen werden. Nach seiner Botschaft schwebt kein Fluch über unseren Alltag, wie es die Christenheit später aus der Genesis herauslesen zu müssen glaubte. Unsere „Natur“ ist lediglich so beschaffen, dass sie sich nicht genügt, dass sie – auf sich gestellt – nicht „ganz“ sein kann und damit heillos und unbefriedigt bleibt. Die Erlösung aus dieser Not heißt „Reich Gottes“, das uns nahe, und sogar schon „mitten unter uns“ ist.<br><br>In dem Gottvertrauen, das aus der Frohen Botschaft Jesu strahlt, wird die menschliche Situation zwar ganz ernst genommen, aber sie darf nicht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Unsere Sorgen müssen wir für so wichtig halten, wie irgendetwas auf dem Weg nur wichtig sein kann. Es sind lauter Dinge, die wir unbedingt erreichen zu müssen glauben, um sie dann wieder hinter uns zu lassen. Hauptsache ist nur, wie wir weiter kommen auf unserem Weg. Aber wohin führt dieser Weg?<br><br>Auffallend ist, dass im Vaterunser eine Vertröstung der Betenden auf das Jenseits nicht einmal angedeutet ist! Worum wir – den Blick fest auf den „Vater“ gerichtet – bitten sollen, sind schlichte Anliegen aus dem menschlichen Alltag, und nirgends „übernatürliche Gaben“ bzw. Gnaden, die ein späteres Christentum so hoch schätzt. Jesus ließ uns auch nicht um das ewige Heil bitten, und nicht einmal um eine gute Sterbestunde. Der „Sohn“ verließ sich auf die Liebe des Vaters. Erst spätere Zeiten haben seinem Gebet noch eine „Ave Maria“ hinzugefügt, wo aus Angst vor Sterben und Verdammnis die Hilfe der „Gottesmutter“ angerufen wird: „Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes!“. – Jesus war sicher, dass Gott die Menschen sucht, auch wenn sie alle „Sünder“ sind. Bei Ihm brauchen wir deshalb keine Fürsprecher; wir können uns auf seine Liebe verlassen, auch wenn wir unseren Weg selber bewältigen müssen.<br><br>Jesus ging es eindeutig darum, dass wir das „Gottesreich“ in diesem Leben erfahren. Hier und jetzt sah er unsere Aufgabe. Die beste Vorbereitung auf einen guten Tod besteht in seinem Sinn zweifellos darin, den gegenwärtigen Augenblick gut zu nützen. Das „Übrige“, wozu das ewige Heil offenbar auch gehörte, machte er natürlich nicht klein. Um eine gute Sterbestunde können wir genau so natürlich bitten wie um Brot. Zur Angst besteht aber kein Anlass, denn: „Euer Vater weiß, dass ihr das braucht“. – Was wir am dringendsten brauchen, ist das lebendige Vertrauen Jesu, das er uns mit der Anrede „Abba“, und mit seiner ganzen Frohen Botschaft vermitteln wollte.<br><br>Die griechisch geschriebene jüngste Schrift des Alten Testaments, das Buch der Weisheit (im letzten Jahrhundert vor Jesus geschrieben), zeigt eine wunderbare Einsicht, als es Gott mit „Du, Freund des Lebens!“ anspricht (Weish 11,26). Diese Gottesanrede ist ein gemeinsames Kind jüdischer Welterfahrung und griechischen Geistes. Sie ist nicht nur eine Vorläuferin des Gottes- und Weltbildes Jesu, – sie ist auch sehr geeignet, seine Botschaft gerade unserer Zeit nahe zu bringen.<br><br>Wenn wir unsere Nöte mit der Nüchternheit der heutigen Wissenschaft sehen und an ihrer Behebung arbeiten, wissen wir trotzdem, dass unsere Möglichkeiten auf naturgegebene Grenzen stoßen. Auch die schönsten Fortschritte der Medizin können nichts daran ändern, dass wir eines Tages nacheinander alles, selbst unser Leben lassen müssen.<br><br>Es ist gut, schon heute daran zu denken, dass sogar noch hinter der Not des Sterbens der „Freund des Lebens“ steht. Jesus hatte nur diese eine Antwort auf alle Nöte der Menschen: Wenn wir uns um den großen Zusammenhang (Reich Gottes) kümmern, wird uns alles Nötige „dazugegeben“. Vieles mag für uns wichtig sein, aber entscheidend ist nur das Eine: unsere Beziehung zum „Freund des Lebens“. Der vertrauende Blick zu ihm macht es uns möglich, in allen „Proben“ einfach auszuharren. So werden wir imstande sein, Ja zu sagen zum Leben, wie es ist, weil es von ihm kommt. Dieses Ja in einer letzten Not ist vielleicht das Höchste, was ein begrenztes Wesen, wie wir sind, leisten kann. Mit diesem Ja des Vertrauens stehen wir zu Gott, dem Überweltlichen Leben, und geben Zeugnis für den Glauben, dass er unser Leben nicht vergessen, dafür aber unsere ganze Not vergessen machen wird.<br>]]></description>
   <pubDate>So, 16  2006 16:14:20</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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   <title>„Erlöse uns von dem Bösen!“</title>
   <link>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1153059221/</link>
   <comments>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1153059221/#num1</comments>
   <description><![CDATA[<br>„Erlöse uns von dem Bösen!“ &nbsp;- &nbsp;Die Bedrohung durch das Böse<br><br>Diese siebte und letzte Bitte erschüttert nun das bisher Gesagte. Halten wir es fest: In den ersten sechs Bitten haben die Betenden nur mit dem himmlischen Vater zu tun; es geht allein um das Vertrauen zu ihm und den Einklang mit seinem rettenden Willen. In dieser siebten Bitte erscheinen nun die Menschen plötzlich durch eine „dritte Macht“ bedroht. Damit scheint auch ihr Vertrauen zu Gott gestört zu sein, da sie ihn jetzt um Rettung von diesem „Bösen“ anflehen müssen. – Wer ist denn dieses „Böse“? Wollte Jesus hier etwa die Angst vor einem Teufel ansprechen, vor dem uns nur Gott zu retten vermag? Wie erklärt sich diese plötzliche Änderung in der Grundstimmung des Gebetes?<br><br>Die ersten sechs Bitten behandeln wesentliche Motive, die wir aus der Verkündigung Jesu gut kennen. Dies lässt sich nun von der siebten Bitte nicht sagen, denn eine Bedrohung durch den Teufel ist kein bekanntes Thema seiner Botschaft. Diese Beobachtung ließ mich daran zweifeln, ob diese Worte von Jesus selbst stammen können. Sie sind durch das Matthäusevangelium überliefert, während sie im Lukasevangelium nicht zu finden sind. Da aber beide diesen Text aus der gleichen Sammlung von Jesusworten (Quelle Q) übernahmen, muss diese Bitte dort gefehlt haben, denn es ist kein Grund ersichtlich, weshalb Lukas das Gebet Jesu um diese Worte gekürzt haben sollte. Deshalb vermute ich, dass die Erwähnung des „Bösen“ hier auf den Redaktor des Matthäusevangeliums zurückgeht, der damit einfach die vorausgehende Bitte über die Versuchungen konkretisieren wollte.<br><br>Dass die Versuchungen („Proben“) zu unserem Leben gehören, war Jesus selbstverständlich. Es war ihm auch klar, dass wir vor solchen „Versuchungen“ zu Recht Angst haben, und deshalb nahm er diese Angst in sein Gebet auf.<br><br>Bei vielen Menschen, die das Buch Ijob kannten, war diese Angst mit der mythischen Gestalt des Satan verknüpft. Der Schreiber dieses Buches wollte erklären, weshalb ein so tadellos lebender Mensch wie Ijob die schlimmsten Schicksalsschläge erleiden musste. Da er Gott keine Missgunst zuschreiben wollte, musste er die grausamen „Prüfungen“ eines guten Menschen anders erklären. Deshalb schilderte er als Auftakt des Buches eine Szene am „himmlischen Hof“, wo einer der „Gottessöhne“, Satan, als Ankläger gegen Ijob auftritt (Ijob 1,6-12. 2,1-6). Dort wird ein fingiertes Gespräch beschrieben, in dem Gott die positiven, Satan die negativen und misstrauischen Gedanken über die Frömmigkeit des Ijob ausspricht. Am Ende erhält dann Satan, der missgünstige „Gottessohn“, freie Hand zur „Prüfung“ des Ijob. So kommen die Grausamkeiten nicht direkt von Gott, auch wenn er sie unverkennbar in Auftrag gibt. Diese Abspaltung des negativen Schicksals vom Willen Gottes erschien für diesen Schreiber als ein geeigneter Weg, die Existenz der vielen Übel in der Welt zu erklären und die Güte Gottes dabei nicht anzutasten. Was Im Buch Ijob noch nicht viel mehr als ein literarisches Mittel war, entwickelte sich zur Zeit Jesu und der Evangelien schon zum verbreiteten Glauben an den Teufel als Feind der Menschen und Widersacher Gottes. <br><br>Diese traditionelle Vorstellung zeigt uns erst, welche Leistung Jesus vollbracht hat, als er mit der Bitte „Stelle uns nicht auf die Probe!“ genau diese Abspaltung des Negativen von Gott zurücknahm! Auch wenn er Gott als den liebenden Vater sah und verkündete, war er überzeugt, dass auch alles Negative, was uns nur treffen mag, nicht ohne diesen Gott gedacht werden kann! Nicht einmal ein Spatz fällt zum Boden, ohne dass er beteiligt ist. Diesem Gott sind wir wichtig, auf ihn können wir in der größten Not vertrauen! - Gerade um dieses Vertrauen zu verinnerlichen hat Jesus uns angeleitet, in diesem Gebet auch die Angst vor „Prüfungen“ in die Hände dieses guten Vaters zu legen. Er war überzeugt, dass uns auch das Schlimmste nicht vernichten kann, denn der Vater und „Erlöser“ der Menschen wird uns niemals vergessen!<br><br>Als der Schreiber des Matthäusevangeliums die Bitte um die Rettung vor Prüfungen aus der Quellenschrift Q übernahm, hat er vielleicht beispielhaft an die Prüfungen des Ijob gedacht, und zur Erläuterung hier unsere siebte Bitte um die Befreiung vom „Bösen“, vom Versucher Satan, eingefügt. Der wurde zu seiner Zeit nämlich, anders als noch im Buch Ijob, im Denken der Menschen bereits mit einem personhaften und mächtigen „Bösen“, dem Teufel gleichgesetzt.<br><br>So konnte die Bitte „Erlöse uns von dem Bösen!“ ins Vaterunser gelangen. Da es für Jesus darauf ankam, jegliche Angst beim Vater abzugeben, hat Mt mit diesen Worten das Anliegen Jesu bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt! Denn das Flehen, der Vater möge uns vor dem Teufel erlösen, ist eigentlich eine schlimme Drohbotschaft. Sie bedeutet erstens, dass wir im Teufel einen mächtigen Feind haben, dem nur der Allmächtige Herr werden kann, – und zweitens, dass wir niemals sicher sind, ob dieser Gott uns wirklich retten will. Es ist doch schwer, einem Gott zu vertrauen, der sich mit der Erschaffung des Teufels ein Hintertürchen öffnet, um – wie im Buch Ijob – durch ihn eine „schmutzige Arbeit“ zu erledigen. Ein solcher Gott wäre durchaus mit dem Teufel zu verwechseln! Solche Gebetsworte sind m. E. nur geeignet, unsere Angst zu vergrößern, und stehen damit im Gegensatz zur Verkündigung Jesu. Sie können deshalb auch nicht von ihm gesprochen sein.<br><br>Nach dem Zeugnis der Evangelien teilte Jesus zwar die Annahme seiner Umgebung, die in vielen Krankheiten das Werk von bösen Geistern sah, aber die Existenz des Teufels war kein Bestandteil seiner frohen Botschaft. Sie war allerdings so fest mit dem Weltbild der Menschen von damals verbunden, dass sie nachher in die &quot;apostolische&quot; Verkündigung aufgenommen wurde. Man ging dabei so weit, sogar die Sendung Jesu vom Kampf gegen den Teufel her zu bestimmen (1Joh 3,<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. – Da wir heute den Teufel nicht mehr zur Welterklärung brauchen, können wir endlich zum einfachen Glauben Jesu zurückfinden, für den es nur einen Herrn gab, der unser ganzes Vertrauen verdient!<br><br>Wenn wir mit Jesus beten wollen, werden wir hier also kaum um die Erlösung aus den Klauen eines Teufels bitten können, der außerhalb von uns existiert und dem wir schutzlos ausgeliefert wären. - Aber wir können viel Verständnis für die ersten Jesusanhänger haben, die nicht daran zweifeln konnten, dass ihr „Widersacher, der Teufel, wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann“ (1Petr 5,<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Sie haben gut daran getan, ihre Teufelsangst ins Vaterunser aufzunehmen mit der Bitte: „Erlöse uns von dem Bösen!“ Wenn wir heute noch mit ihren Worten beten, muss unser Gebet trotzdem mit unserem Weltverständnis und unserem Gottesbild im Einklang stehen.<br><br>Es ist freilich auch heute möglich, dieser Bitte einen guten Sinn zu geben. Wir brauchen dazu nur zu bedenken, welche Erfahrungen den früheren Teufelsglauben stützen konnten. Es gibt ja bis heute Menschen, für die der Teufel eine Erfahrungstatsache ist. Sie meinen, in manchen scheinbar unerklärlichen Taten menschlicher Bosheit diesen „Bösen“ zu erfahren, da solche Taten oft auch von den Tätern wie Auswirkungen einer fremden Macht erlebt werden. Solche Wirkungen werden heute als psychische Erkrankungen beschrieben und ohne die Annahme eines von außen einwirkenden Teufels erklärt. Sogar psychisch gesunde Menschen können ja erleben, dass sie von gewissen Gedanken überfallen werden, die sie als sich völlig fremd und abgründig böse empfinden.<br><br>Uns Menschen fällt es viel leichter, das Widerwärtige in den anderen zu entdecken, als nach dem eigenen Anteil an Konflikten und Feindschaften zu suchen. Auch den Jüngern Jesu fiel es leicht, den großen Kampf des Lichtes gegen die Finsternis draußen in der Welt und sich auf der Seite des Lichtes zu sehen. Sie haben einmal von Jesus eine Parabel über das Unkraut unter dem Weizen gehört (Mt 13,24-30), die in der Aufforderung zur Toleranz gipfelte: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“ Es war ihnen aber kaum möglich, Unkraut wie Weizen in der eigenen Seele zu sehen und dort – ohne Gewalt – für das Wachstum des Guten zu sorgen, bis bei der „Ernte“ das Wertlose beseitigt wird. Es war einfacher, sich als „Söhne des Reiches“ hell, und die Anderen, die Jesus nicht folgten, als „Söhne des Bösen“ und dunkel zu sehen. So konnten sie sich auf der Seite des Siegers und den Anderen moralisch überlegen fühlen. So waren die Gegner für sie nicht einfach irrende Menschen, sondern Anhänger eines überweltlichen Bösen, der freilich von &quot;Christus&quot; bereits besiegt war. So konnten sie sich vor diesen Mitmenschen verschließen.<br><br>Ein Blick auf den Teufel hat alle Gegensätze in Glaubensfragen unüberwindlich gemacht, da die „Guten“ jederzeit glauben konnten: „Wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.“ (Eph 6,12). So konnte man die Aufforderung Jesu zur Feindesliebe überhören, da man selber ja keinen Feind hatte, - und für Gottes Feinde war jedes Mitgefühl fehl am Platz (vgl. Joh 17,9). Dieses psychische Muster war in allen Glaubenskämpfen, Kreuzzügen, Ketzer-, Hexen- und Judenverfolgungen wirksam. Angefangen hat es bereits mit Paulus, der alle verflucht hat, die Jesus anders verkünden als er (Gal 1,8f), und dauert bis in unsere Zeit. Ich brauche hier nicht weiter zu betonen, dass Jesus unter „Reich Gottes“ die Liebe ohne Einschränkung, - und damit das Gegenteil eines Kampfes gegen „böse“ Anhänger Satans verstanden hat!<br><br>Wer das Böse in den Menschen mit einem übermenschlichen „Bösen“ verbindet, wird kaum geneigt sein, den „Anderen“ zu verstehen und über den eigenen Anteil an einem Konflikt nachzudenken. So kann das Böse sein Teufelswerk unkontrolliert entfalten, so ist aus dem „Teufelskreis“ der Gewalt kein Entkommen möglich! Wer diesen Zusammenhang kennt, wird deshalb selbst einen „erlebten“ Teufel nicht aus dem Bereich menschlicher Verantwortung entlassen wollen. Er wird statt dessen alles daran setzen, das Böse in den Menschen durch Erforschen der menschlichen Seele zu verstehen und Wege zu seiner Beherrschung und Umwandlung zu suchen.<br><br>Auf unserem heutigen Erkenntnisstand können wir also dieses „Erlöse uns von dem Bösen“ nur beten, wenn wir dabei an das Böse denken, das in den Menschen „steckt“ und uns allen bedrohlich werden kann. Es ist gut, von Gott die Rettung von diesen oft unbewussten und schwer beherrschbaren negativen Kräften zu erbitten. Wir bekommen ja täglich Nachrichten darüber, welche Grausamkeiten und unbeschreibliches Unrecht Menschen einander zufügen können. Wir bitten also, dass Gott uns - die Opfer wie Täter sein könnten - befreien möge von allem unbewussten „Bösen“, das versteckt in allen Menschen wohnt. Eine solche Bitte schließt aber das Wissen ein, dass dieses „Böse“ unbedingt unserer menschlichen Sorge anvertraut bleibt, auch wenn seine Kontrolle eine sehr schwer lösbare Aufgabe ist. Jesus würde uns heute zweifellos auffordern, uns im Kampf gegen dieses Böse einzusetzen, dabei aber alle unsere Ängste und Sorgen in die Hand des guten Schöpfers zu legen.<br><br>]]></description>
   <pubDate>So, 16  2006 16:13:41</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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   <title>„Führe uns nicht in Versuchung!“</title>
   <link>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1153059180/</link>
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   <description><![CDATA[<br>„Führe uns nicht in Versuchung!“ &nbsp;- &nbsp;Vertrauen in den Prüfungen<br><br>Sind diese Worte von Jesus formuliert?<br><br>Manche ernsthaften Christen sprechen diese Worte mit Unbehagen aus, denn sie mögen nicht an einen Gott denken, der ihnen eine Falle stellen könnte und vielleicht sogar missgünstig auf ihr Versagen wartet. Andere gehen gar nicht über das mechanische Hersagen dieser Worte hinaus, um lieber nicht daran zu denken, was sie da gesagt haben. Diese Worte scheinen so wenig zur Botschaft Jesu vom mütterlich liebenden Gott zu passen, dass der Zweifel begründet ist, ob sie überhaupt von ihm stammen. Viel eher könnte der Jakobusbrief echte Gedanken Jesu wiedergeben: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt“ (Jak 1,13-14.17).<br><br>Wir dürfen hier freilich nicht vergessen, dass der heute bekannte Wortlaut unseres Gebetes nur die griechische Übersetzung von etwas ist, was Jesus in seiner aramäischen Sprache gesprochen hat. Könnte vielleicht der Übersetzer etwas missverstanden haben?<br><br>Der jüdische Gelehrte, Pinchas Lapide, hat darauf hingewiesen, dass eine Rückübersetzung dieses Satzes ins Hebräische das Problem ganz einfach klärt. Das entsprechende hebräische Wort kann nicht nur „bringen“ bzw. „führen“, sondern auch „kommen lassen“ bedeuten. So wird es bis heute in den Synagogen verwendet, etwa im Abendgebet, wo es heißt: „Lass mich nicht kommen in die Gewalt der Sünde, noch in die Gewalt der Schuld, noch in die Macht der Versuchung.“ - Wenn Jesus das entsprechende Wort benützt hat, konnte er nur gemeint haben: „Lass uns nicht der Versuchung erliegen!“ Der heutige Wortlaut „Führe uns nicht in Versuchung“ könnte demnach so entstanden sein, dass der Übersetzer ins Griechische, der mit den Anliegen Jesu nicht mehr ganz vertraut war, das betreffende Wort einfach mit seiner gängigsten Bedeutung wiedergegeben hat.<br><br>Was war für Jesus eine Versuchung?<br><br>Wir kommen dem Anliegen Jesu näher, wenn wir überlegen, in welchem Zusammenhang er von Versuchungen Gesprochen hat. Wenn Markus nach der kurzen Mitteilung über die Gotteserfahrung Jesu nach seiner Taufe vermerkt, dass Jesus in der Wüste „vom Satan versucht“ wurde, dann war der Gegenstand dieser Versuchung keine Sünde im geläufigen Sinn, sondern eine Verunsicherung seines Vertrauens in den Gott, der sich ihm als Vater gezeigt hat. Vor einer solchen Verunsicherung wollte er später auch die Jünger schützen, als er ihnen vor seiner Verhaftung sagte: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“ (Mk 14,3<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Das gleiche meinte er auch, als er zu Petrus sagte: „Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube (Vertrauen) nicht erlischt“ (Lk 22,31).<br><br>In allen diesen Fällen war die Versuchung etwas, was das Vertrauen in die Liebe Gottes auf die Probe stellte. Wenn wir auch noch bedenken, dass bei den Evangelisten das Wort „versuchen“ oft einfach „auf die Probe stellen“ bedeutet (Mk 8,11 u. öfter), wird es klar, wie wir diese Bitte zu verstehen haben: „Stelle unser Vertrauen nicht auf die Probe!“<br><br>Jesus wusste natürlich, dass das Leben unser Gottvertrauen vielfach auf die Probe stellt. Aus eigener Erfahrung des Hasses seiner Gegner und am Beispiel der Propheten erkannte er, dass auch sein Schicksal „Menschenhänden übergeben“ war (Mk 9,31). Auch er hatte, wie jeder Mensch, Angst vor drohenden Gefahren für Leib und Leben. Vor seiner Verhaftung hatte er diese Angst den Jüngern auch offen gezeigt und in seinem Gebet vor Gott gebracht. Seine Anrede war dabei: „Vater!“. Damit sprach er sein Vertrauen aus, um der eigenen Angst Herr zu werden. Dass sein Vater die drohende Katastrophe selber angeordnet haben könnte, das kam ihm gewiss nicht in den Sinn! Es steht doch in der Verantwortung der Menschen, was durch ihre Hände geschieht.<br><br>Der Glaubende weiß mit Jesus, dass Gott ihn in allen Ereignissen des Lebens begleitet. Dass diesem Gott kein Leid der Menschen entgeht, sagte Jesus mit dem Bild, dass ihnen sogar „die Haare auf dem Kopf gezählt“ sind (Mt 9,29-31). - Warum müssen sie trotzdem so viel Schreckliches erleben? Auf diese Frage wusste Jesus keine Antwort, da er auch keine bekommen hat. Aber er hat darauf vertraut, dass Gottes Liebe trotz allem Leid das letzte Wort behalten wird.<br><br>Unsere „Versuchungen“<br><br>Mit der Bitte „Stelle uns nicht auf die Probe“ lehrt uns Jesus, alles, was uns bedroht und beängstigt, als &quot;Proben&quot; des Lebens anzusehen und in unser Gebet aufzunehmen. Seine Worte sagen also nicht, dass Gott jemanden auch zur Sünde verführen könnte! Zur Sünde versucht uns nur die eigene Begehrlichkeit. Dass die eigene Begehrlichkeit den Menschen oft nicht bewusst war und deshalb wie eine fremde Stimme eingeschätzt wurde, lässt sich psychologisch erklären. Mag eine solche Stimme uns noch so stark bedrängen, kommt sie nicht von Gott, und nicht einmal vom bösen „Teufel“, der uns von außen bedrängen könnte.<br><br>Bei der noch folgenden letzten „Bitte“ werden wir zeigen, dass Jesus keinen bösen Geist kannte, der die Macht hätte, den rettenden Willen seines Vaters zu durchkreuzen. Für ihn stand fest, dass die Menschen – wenn es sich um Versuchungen handelt – weder von Gott noch von einem Teufel Angst zu haben brauchen. Besser als Angst ist es, Zuflucht beim himmlischen Vater zu suchen, der uns nicht fern ist: „Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt.&quot; (1Kor 10,13).<br><br>Diese Bitte zielt einzig auf den betenden Menschen, der Angst hat. – Sagen wir es gerade heraus: Ich habe Angst vor manchen schrecklichen Möglichkeiten, an die ich denke. Was könnte mir nicht alles zustoßen, was mein Vertrauen zum guten Gott bis zum Äußersten auf die Probe stellen würde? – Da Jesus diese Angst selber kannte, konnte er uns glaubwürdig zeigen, wie wir unsere gegenwärtige Not und alle Ängste vor der Zukunft vertrauensvoll in die Hände des „Vaters“ legen können. Er war ja überzeugt, dass alles von einem liebenden Gott erschaffen wurde, ohne den überhaupt nichts geschehen kann.<br><br>In diesem Punkt zeigt sich, ob ich wirklich „glaube“, das heißt meinem Schöpfer zutraue, dass er mit seiner Liebe alles („Gerechte und Ungerechte“!) erreicht und auch bei mir nicht abseits steht. Ich kann nichts Besseres tun, als in jeder Not an seiner Liebe festzuhalten und ihn um einen Ausweg zu bitten. – Wie aber dieser Ausweg zu sein hat, dafür ist meine Sorge nicht zuständig! Meine Angst würde mir leicht den Blick für das Richtige trüben, – und mein Festhalten an einer bestimmten Art der Gebetserhörung könnte mich sogar unfähig machen, eine andere Art Rettung anzunehmen, die vielleicht schon bereit steht. Gott erhört den, der sich ihm vertrauensvoll überlässt.<br><br>Wer in der Welt umschaut, kann freilich mit Recht fragen, ob es einen guten „Vater im Himmel“ überhaupt gibt, der einfach zuschaut, wenn mit seinen Kindern so viel Schlimmes geschieht? Diese schreckliche Frage bedroht nicht nur unser Vertrauen, sie bedroht auch das Gottesbild Jesu. Auf diese Bedrohung (Theodizeeproblem) möchte ich dieser Website (Themenstichwort: Glauben) bald noch zurückkommen. Hier will ich nur ganz nüchtern bemerken, dass kein Gottesbild das Absolute (den Urgrund des Seins) verstehbar machen kann. Wenn wir aber für das Unfassbare keine Begriffe haben können, erhalten wir doch die Möglichkeit, in einer tieferen Schicht unserer Seele zu erleben, dass das SEIN einfach GUT ist. Eine solche innere Erfahrung ist der Kern unseres Glaubens. Ohne sie könnte uns die gute Nachricht Jesu überhaupt nicht ansprechen, denn sie ist die Entfaltung einer solchen Grunderfahrung der alles umfassenden Liebe Gottes.<br>]]></description>
   <pubDate>So, 16  2006 16:13:00</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
  </item>
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   <title>„Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“</title>
   <link>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1153059136/</link>
   <comments>http://www.religion-und-spiritualitaet.de/cgi-bin/forum/Blah.pl?m-1153059136/#num1</comments>
   <description><![CDATA[<br>„Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ &nbsp;- &nbsp;Das rettende Mitgefühl<br><br>Mit diesen Worten zeigt der Betende, dass er die Bitte um Vergebung ernst gemeint hat. Von diesen Worten fällt aber auch ein überraschend neues Licht sowohl auf die eigene Schuld wie auf die Überwindung der Schuld und ihrer Folgen.<br><br>Wem und was sollen wir vergeben?<br><br>Haben wir schon wirklich überlegt, was wir hier sagen? Es wäre zu schade, wenn diese Worte in der Unverbindlichkeit des Allgemeinen versanden würden! – Wem so schnell nicht einfällt, was er hier alles zu vergeben hat, könnte die Frage nach der Schuld der anderen umdrehen und fragen, was ihn selber verletzt, was ihm geschadet, wo er sein „gutes Recht“ nicht bekommen hat, wo seine „Grenzen“ nicht beachtet wurden.<br><br>Ich möchte hier keinen „umgekehrten Beichtspiegel“ aufstellen, bin aber überzeugt, dass die Reihe der „Schuldigen“ meistens mit den Menschen anfängt, die uns am nächsten stehen, also mit Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Partner bzw. Partnerin. Und die Reihe der Verletzungen reicht &nbsp;in die früheste Kindheit zurück, zu Geschehnissen, die heute sogar vergessen sein mögen, aber immer noch unsere Gefühle und unser Verhalten beherrschen. Es wäre ja verwunderlich, wenn Menschen, von denen wir so viel erwarten (und erhalten!), uns immer alles bieten könnten, was wir für uns nur beanspruchen! Das von den Nächststehenden Erlittene schmerzt uns am meisten und lässt auch die tiefsten Wunden zurück. Wenn solche Verletzungen nicht wirklich vergeben werden, müssen wir ihre Last unversöhnt weiter tragen!<br><br>Bei dieser Art Umschau und Rückschau werden wir noch etwas Wichtiges entdecken: Es ist durchaus möglich, dass wir uns in manchem zurückgesetzt oder verletzt fühlten, obwohl der Andere nichts Böses wollte und die Verletzung vielleicht nicht einmal gemerkt hat. Für uns kommt es also gar nicht darauf an, ob der Andere nun ein „Sünder“ ist oder nicht! Wir brauchen unbedingt die Vergebung, die Versöhnung, damit wir „heil“, d. h. seelisch gesund, weiter leben können. Dazu führt nur ein Weg: Wir müssen wirklich und alles vergeben, was uns irgendwie erbittert hat. Ob der andere dabei „objektiv“ schuldig wurde, kann für uns ruhig dahingestellt bleiben, denn darüber auch nur nachzudenken würde unsere Versöhnung mit Gott stören.<br><br>Damit diese Versöhnung möglich wird, ist es gut, noch einen Schritt weiter zu gehen. Es kann viel nützen, die Frage zuzulassen, ob wir nicht sogar selber Anteil an der Schuld eines Mitmenschen haben, dem wir zu vergeben hier beteuern. Normalerweise sind ja an einem Vorfall oder Interaktion mindestens zwei Menschen beteiligt. Es ist hier kein Raum, über psychische Mechanismen zu reden, die dabei eine Rolle spielen können. Es genügt, nur zu erwähnen, dass wir sehr leicht – wenigstens teilweise – für die Situation verantwortlich sind, in der jemand uns gegenüber schuldig wurde. Abgesehen von einer nicht provozierten Aggression oder Betrug durch einen Fremden kann man kaum annehmen, dass die Schuld an einem Konflikt ausschließlich beim Anderen lag. Viel wahrscheinlicher ist, dass uns der eigene Anteil bis jetzt noch nicht bewusst wurde. Wir haben guten Grund, darüber nachzudenken! Wer entdeckt hat, dass ein Teil der Schuld auch bei ihm lag, wird viel leichter und ehrlicher vergeben.<br><br>Können wir nach diesen Überlegungen wirklich vergeben? – In manchen Fällen scheint es kaum möglich zu sein, denn wir kommen von den Gefühlen der Verletztheit einfach nicht weg. In solchen Fällen sollten wir uns keineswegs auf Willensakrobatik versteifen, als müssten wir jetzt selber das Unmögliche schaffen, um von unserer Schuld loszukommen. Das emotionale Vergeben-Können ist für Menschen keine Selbstverständlichkeit, denn die Heilung einer seelischen Verletzung wird nicht vom Willen herbeigeführt. Letztlich ist sie eher ein Geschenk als eine menschliche Leistung. Wenn wir uns nicht unter Druck setzen, nur vertrauensvoll darum bitten, werden wir sie leichter erreichen. Sie ist freilich nicht mit der hier verlangten Vergebung gleichzusetzen. Was wir unbedingt aufbieten müssen, ist nur der ehrliche Wunsch und die Bereitschaft, aus dieser „Schuldenfalle“ herauszukommen.<br><br>Petrus fragte einmal Jesus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18,21f). Es ist natürlich nicht gemeint, dass Petrus jetzt die Vergebungen zählen soll, sondern gerade, dass er sie nicht zählen soll, wie auch der „Abba“ im Himmel nicht zählt, wie oft Petrus etwas falsch macht! Deshalb darf auch Petrus in keiner Situation mehr sagen: „Jetzt reicht´s mir aber!“<br><br>Mit der doppelten Bitte um Vergebung fügen wir uns in eine Gemeinschaft der Schuldigen ein. Diese Gemeinschaft entsteht aus dem Wissen, dass wir in diesem Leben aufeinander angewiesen sind und sehr leicht einander auch schuldig bleiben. Deshalb werden wir nicht mehr gegenseitig Schuld aufrechnen, sondern uns um ein mitfühlendes Herz mühen, und unsere Bitte ausdrücklich mit den Anderen vereint vorbringen: &quot;Vergib uns, wie auch wir vergeben!“<br><br>Müssen wir auch uns selber vergeben?<br> &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Es bedrückt uns nicht nur das, was andere für Sünde halten und uns vorhalten, sondern oft und noch mehr das, was wir uns selber nachtragen und nicht verzeihen können. In der Tat fühlen wir uns auch uns selbst gegenüber „schuldig“, weil wir irgendwo versagt haben, also nicht „gebracht“ haben, was wir stillschweigend von uns erwarteten. Ein solches Schuldgefühl kann bei uns Menschen zu leicht entstehen, denn es ist kaum zu erwarten, dass wir im Leben all das erreichen, was wir heimlich von uns selbst erwarten.<br><br>Die Bitte an Gott, „Vergib uns, wie auch wir vergeben!“, heißt in dieser Situation auch: „Nimm uns an, wie auch wir uns annehmen!“ Wenn ich mit den schuldig Gewordenen mitfühlen soll, gehöre ich ja selber zu ihnen! Gottes Vergebung kann mich erst befreien, wenn ich mit mir selber versöhnt bin. Es wird aber nicht eine Sentimentalität für den „armen Sünder“ in mir verlangt, sondern die nüchterne Annahme der Realität: Ich bleibe hinter vielen Erwartungen zurück, weil ich ein Mensch bin. Ich muss mit den eigenen Grenzen und Mängeln Frieden schließen, damit der Friede Gottes mich erreicht. Hier wäre jede Selbstgerechtigkeit fehl am Platz, die mich nicht nur von den anderen, sondern auch von meiner eigenen Seelentiefe isolieren würde! Es mag mir schwer fallen zuzugeben, dass ich fehlbar bin. Aber ich bin dazu aufgerufen und auch berechtigt!<br><br>Sich selber vergeben ist das Gegenteil von Selbstgerechtigkeit. Es ist die realistische Anerkennung der Tatsache, dass ich sogar an meinem eigenen Leben schuldig werden kann. Um diesen gesunden Realismus zu erreichen, muss ich zuallererst mein Denken in Ordnung bringen. Das Gebet Jesu schärft mir ein, dass ich mich bei Gott nicht verteidigen muss. Im Gegenteil! Ich bin so beschaffen, dass ich leicht schuldig werde, aber auch Gottes Vergebung erfahre, wenn ich den Anderen und auch mir vergeben habe! Diese Vergebung geschieht ganz konkret so, dass ich in mir das Dunkle wie das Helle anerkenne, aber alles in Verbindung mit dem liebenden Gott sehe. Im Vertrauen zum Vater Jesu bin ich mit meiner Schuld nie allein gelassen.<br><br>Neue Perspektive der Konfliktlösung<br> &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Mit dieser Bitte des Vaterunsers stellt Jesus einen unglaublichen Anspruch an uns: Gottes Vergebung setzt nicht nur die menschliche Vergebung voraus, sondern verlangt sogar Gewaltfreiheit in allen unseren Konflikten! Es würde nämlich wenig nützen, eine Schuld zu vergeben, solange die Wirkungen dieser Schuld weiterhin wuchern und ihr Unheil verbreiten. Wer dem Anderen vergibt und von ihm ebenfalls Vergebung erwartet, muss deshalb auch die Folgen der zu vergebenden Taten bedenken und darum besorgt sein, dass sie kein weiteres Unheil mehr erzeugen. Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist dagegen der sicherste Weg, einen Konflikt nicht zu beenden, sondern zu steigern! &nbsp;Aus dieser Einsicht heraus verlangt Jesus die gewaltfreie Lösung menschlicher Konflikte:<br><br>„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.“ (Mt 5,38-41).<br><br>Diese Worte lassen Jesus als einen unverbesserlichen Außenseiter erscheinen. Hat er denn keine Ahnung von menschlicher Psychologie? Und redet nicht auch die Bibel sehr oft von einem gewalttätigen Gott? - Aus diesem Grund hat auch die kirchliche Auslegung in den zitierten Worten der Bergpredigt gerne eine Art Ausnahmeregelung gesehen, die zwar für „Heilige“ gelten mag, aber der gesellschaftlichen Wirklichkeit keineswegs gerecht wird. Es ist kaum vorstellbar, dass z. B. ein Staat funktionieren könnte, wenn er den Bösen keinen Widerstand entgegensetzt. Wie die Geschichte zeigt, konnte sich auch die Christenheit diese Gewaltfreiheit nicht zu Eigen machen.<br><br>Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, Jesus hier Unkenntnis der menschlichen Realität zu unterstellen. Es ging ihm in seiner „Bergpredigt“ nicht darum, konkrete Verhaltensregeln für Herrn und Frau Jedermann, oder sogar Erfolgsrezepte für Staaten aufzustellen. Er hat nicht den Kontakt zur Realität verloren, sondern Kontakt zu einer höheren Realität gehabt und darüber gesprochen. Er hat hier versucht zu sagen, was er einmal in seiner Gottesbegegnung erfahren und wonach er seitdem sein Leben ausgerichtet hat. Deshalb ist seine Spiritualität der einzige Zugang zu diesen Worten. Er verkündete von Gott etwas überraschend Neues, das nicht in die Schablonen überlieferter Theologie passte. Sein Bild vom „Vater“ ist keineswegs identisch mit der Gottesvorstellung des Alten Bundes, die gewissermaßen eine Spiegelung irdischer Herrschaftsverhältnisse war. Jesus erlebte bei seiner Taufe nicht den HERRN und gerecht strafenden Richter, dessen Ankunft der Täufer Johannes angesagt hat, sondern einen mütterlichen Vater, der ohne Rücksicht auf Konvention und Schicklichkeit auf seine verlorenen Söhne wartet, ihnen vergibt und von ihnen nicht weniger erwartet als die Nachahmung seiner liebenden Haltung: „Liebt eure Feinde, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet, denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5,44f. 4<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. Wenn wir bedenken, was das Wort „Feind“ bedeutet, liest sich das so: „Wenn ein Mensch euch so übel behandelt, dass in euch nur noch &nbsp;Empörung und Hass aufsteigen können, gerade dann sollt ihr nicht vergessen, dass Gott ihn annimmt und sogar liebt.“ <br> &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Was hat ein solcher Gott mit der irdischen Realität zu tun? - Wer den heutigen Zustand der Erde betrachtet, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass der globale Wettkampf um den Wohlstand auf unserem begrenzten Planeten auf immer größere Katastrophen zusteuert. Die verschiedensten Konflikte der Welt zeigen, wie wenig gewaltsame „Lösungen“ Aussicht auf Erfolg haben. Wenn nicht einmal unsere kleinen Konflikte in Familie, Betrieb oder Nachbarschaft gelöst werden können, indem jeder nur auf seinem Recht besteht, wird die Gewalt niemals die ersehnte Sicherheit der Völker herstellen. Sind wir hoffnungslos in einer Sackgasse?<br><br>Wir kennen eine Episode, in der jemand von Jesus die Lösung eines Konfliktes fordert: „Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines Vermögens im Überfluss lebt“ (Lk 12,13-15). Damit widersprach Jesus dem Wertekanon unserer Gesellschaft, wo scheinbar alles der Mehrung des Wohlstandes untergeordnet ist.<br><br>Aber wo ist dann der „Sinn des Lebens“ zu finden? - Nach Jesus nur in der Verbindung (Einheit=Liebe) mit dem Schöpfer, deren konkrete Seite die Verbindung mit den „Kindern“ dieses Schöpfergottes, mit den anderen Menschen, ist. Wer sich nach diesem Sinn des Lebens ausrichtet, wird den eigenen Vorteil und das eigene Recht nicht mehr als den höchsten Wert erstreben, wird sich also nicht nur gegen andere durchzusetzen und immer mehr haben zu wollen.<br><br>Jesus war so stark von der Erfahrung seines „Vaters“ durchdrungen, dass er ihn verkünden musste ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass man mit diesem Gott „keinen Staat machen“ konnte. Kein Wunder, dass die Führung seines Volkes in ihm eine Gefahr für die politische Stabilität sehen und ihn beseitigen musste. Wer wirklich seine Lehre vertritt, wendet sich damit gegen die Wertvorstellungen „dieser Welt“ und muss damit rechnen, im rücksichtslosen Kampf von Interessen zu scheitern und auf irgendeine Weise sein Schicksal zu teilen.<br><br>Glauben heißt bei Jesus, die Augen nicht vor den Tatsachen zu verschließen und sich trotzdem auf seinen Gott zu verlassen, auch wenn dies so wenig aussichtsreich erscheint wie Berge zu versetzen. Der mit Jesus Glaubende wird in Richtung auf das scheinbar Unmögliche sein Möglichstes tun und alles andere Gott überlassen. Er wird sich nicht zurückziehen mit der Klage, dass man das böse Schicksal der Menschheit leider nicht wenden kann. Er wird sich – auf Gott vertrauend – &nbsp;im eigenen Umkreis auf das Abenteuer der Gewaltfreiheit einlassen. Es war die „Utopie Jesu“, dass ein derart unmögliches Verhalten bereits den Keim der „Gottesherrschaft“ in sich trägt – einer besseren Welt, die offensichtlich außerhalb der Reichweite menschlicher Planung liegt.<br>]]></description>
   <pubDate>So, 16  2006 16:12:16</pubDate>
   <dc:creator>Sardy</dc:creator>
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   <title>„Vergib uns unsere Schuld!“</title>
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   <description><![CDATA[<br>„Vergib uns unsere Schuld!“ &nbsp;- &nbsp;Das wahre Drama menschlicher Schuld<br><br>Da die Frage der Schuld in den überlieferten Glaubensvorstellungen von Christen einen sehr breiten Raum einnimmt, müssen wir uns mit diesem Punkt ausführlicher auseinander setzen.<br><br>Was hielt Jesus von menschlicher Schuld?<br><br>Es ist nicht notwendig, hier näher darauf einzugehen, was alles im Alten Bund - etwa nach dem Buch Deuteronomium - den Menschen vor Gott unrein gemacht oder sogar die Todesstrafe verdient hat. Die starke Betonung des Schuldgefühls dient in manchen Religionen offenbar dem gleichen Zweck, wie im zwischenmenschlichen Bereich (etwa in der Erziehung), wo es den „Schuldigen“ immer schon gefügig zu machen hatte. Wenn jemand davon ausgeht, dass Jesus - als gläubiger Jude - selbstverständlich die gleiche Haltung hatte, der wird hier seine große Überraschung erleben.<br><br>Was die Schuldhaftigkeit der Menschen betrifft, gibt es heute zwei gegensätzliche Anschauungen. Die erste und unter Christen traditionell verbreitete pflegt ein ziemlich pessimistisches Menschenbild und kann sich dabei &nbsp;auf biblische Texte berufen. Die zweite spiegelt das moderne Lebensgefühl, das Schuld möglichst nicht wahrhaben will.<br><br>Ich will hier nur auf das negative christliche Menschenbild eingehen. Die starke Betonung der Sünde im Christentum (angefangen mit der Lehre über die Erbsünde) geht auf den Apostel Paulus zurück, der im Brief an die Römer die Sünde personifiziert und damit zu einer mythologischen Größe stilisiert hat. An diese „Sünde“ sah er sich und die anderen &quot;verkauft&quot; und schrieb von den Christen, dass sie „aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden sind“ (Röm 7,14 u. 6,22). Ich sehe allerdings mit Befremden, dass er dabei die Menschen als Spielbälle zweier Mächte darstellt, als hätten sie keine Freiheit und Verantwortung. Und ich finde es völlig unangemessen, wie er der personifizierten „Sünde“ die gleiche Herrschermacht zuschreibt wie Gott. - Ich frage deshalb jetzt, ob Jesus über die menschliche Schuld ähnlich wie Paulus gedacht haben könnte?<br><br>Sooft Jesus über Schuld sprach, meinte er keine fremde Macht, die den Menschen beherrschen würde, sondern zunächst eine Angelegenheit von Menschen, die ihre Beziehungen zu einander und zu ihrem Schöpfer vergiftet. Was Gott mit menschlicher Schuld zu tun hat, schilderte er einfach so: „Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden.“ (Lk 7,41-4<img src="/blahdocs/Smilies/cool.png" style="vertical-align: middle" alt="" />. In dieser Beschreibung ist wahrhaftig kein Platz für irgendeine Mystifizierung der Sünde, als wäre sie eine mit Gott konkurrierende Macht, die die Menschen unterjocht und aus deren Herrschaft sie zu erlösen wären!<br><br>Auch die Menschen zeichnete Jesus längst nicht so negativ wie Paulus, als könnten sie von sich aus nichts Gutes tun. Er beschrieb zwar realistisch, wie die Menschen sind, - aber das war lediglich der Hintergrund seiner Botschaft über die beglückende Liebe Gottes. Von seinen Zuhörern hat er dabei vorausgesetzt, dass sie imstande sind „umzukehren“, ihre ganzen Lebenshaltung zu ändern.<br><br>Hier können wir beobachten, wie stark Menschenbild und Gottesbild zusammenhängen. Menschen der Antike haben ihre Erfahrungen mit autoritären Herrschern leicht auf ihre Gottheiten projiziert, die dann auch manche Züge von Gewaltherrschern bekamen. Ein solcher Gott konnte dann Widerspruch genau so wenig dulden wie ein Diktator. Jeglicher Ungehorsam musste bei ihm als Majestätsbeleidigung gelten und mit dem Tod bestraft werden. Diese Projektion finden wir im Alten wie im Neuen Testament gar nicht selten, bis zur Deutung des Todes Jesu als Sühnopfer bei Paulus. Sie wurde sogar in das Gleichnis Jesu vom königlichen Hochzeitsmahl eingefügt: „Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen“ (Mt 22,7). &nbsp;Solche Aussagen sind mit der „Frohen Botschaft“ Jesu über Gott als Vater offensichtlich unvereinbar.<br><br>Jesus hat Gott konsequent als mütterlichen Vater geschildert, dem die menschliche Schuld nicht als „Beleidigung Seiner Majestät“ von Bedeutung ist. Die Schuld „beschäftigt“ ihn vielmehr, weil sie die Trennung seiner geliebten „Kinder“ von ihm bedeutet, die er sucht, „bis er sie findet“ (Lk 15,4). Natürlich wusste Jesus, dass man Gott nicht sehen und sein Wesen nicht beschreiben kann, - und trotzdem war er sicher, dass er den Menschen genau mit diesen Worten sagen musste, wie der unbegreifliche Gott zu ihnen steht! Er betonte, dass Gott jederzeit zur Vergebung bereit ist, und deshalb die Beseitigung der menschlichen Schuld eine realistische menschliche Aufgabe bleibt.<br><br>Was Jesus von der Schuldhaftigkeit der Menschen hielt, beschrieb er mit einer Geschichte: &nbsp;„Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher ... - Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern ... betete: Gott sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter (d. h. versöhnt) nach Hause zurück, der andere nicht.&quot; (Lk 18,10-14)<br><br>Da der Pharisäer - trotz seines betont guten Gewissens - nicht als Gerechter nach Hause ging, meinte Jesus offenbar, dass vor Gott jeder Mensch irgendwie „in der Kreide steht“, bevor er zu einem „Gerechten“ wird. - Was war nun der wesentliche Unterschied zwischen diesen Männern? Der Zolleintreiber wurde von der Schuld befreit, weil er seine Schuld sah, anerkannte und sich von ihr distanzierte; der Pharisäer dagegen konnte oder wollte bei sich keine Schuld sehen und behielt sie deshalb. Wenn diese Geschichte von zwei Menschen redet, heißt es aber noch nicht, dass Jesus damit die Menschen in zwei Gruppen einteilen wollte, die dann entweder „Pharisäer“ oder „Zöllner“ wären. Durch diese zwei Gestalten hat er genau so gut auch verschiedene Seelenzustände des gleichen Menschen beschrieben, der in einer Beziehung sieht, dass er nicht „in Ordnung ist“ und bereut seine „Schuld“, und in einer anderen Beziehung dazu (noch) nicht imstande ist.<br><br>Wir sehen daraus, dass Jesus in der Frage nach Schuld und Vergebung die Menschen zunächst zu einer ehrlichen Selbsterkenntnis aufforderte. Wer die Worte „Vergib uns unsere Schuld“ ausspricht, hat deshalb nicht nur an Taten zu denken, die er kennt und bereut. Er muss auch bedenken, ob bei ihm nicht irgendwo „im Schatten“ noch etwas steckt, worauf er vielleicht sogar stolz ist, was aber trotzdem verhindern könnte, dass er „als Gerechter nach Hause geht“! Deshalb ist es für jeden entscheidend, nicht nur – wie der Zöllner – seine bekannten Sünden zu bereuen, sondern sich auch zu bemühen, in bisher unbewusste Ecken der eigenen Seele hinein zu leuchten – was der Pharisäer versäumt hat.<br><br>Damit soll er aber nicht ein Gefühl der Minderwertigkeit pflegen, sondern richtig mit sich und mit anderen umgehen lernen. „Als Gerechter nach Hause gehen“ heißt dann, sich realistisch sehen (mit allem Dunklen und Hellen), aber gleichsam mit den Augen des Schöpfers, der die Menschen geschaffen hat, wie sie sind, und sie auch liebt, wie sie sind, also nicht weil sie besonders liebenswürdig wären, sondern weil Er die Liebe ist. Die eigene „Schuld“ vor einem solchen Schöpfer nüchtern zu sehen bedeutet keineswegs, sich zu erniedrigen, sondern realistisch eine Lebensaufgabe zu entdecken, die darin besteht, den „Erwartungen“ dieses Schöpfers besser zu entsprechen. Es genügt nämlich nicht, in sich selbst „das Licht von der Finsternis zu scheiden“ und gleichsam mit stoischem Gleichmut beide anzunehmen. Es gilt auch, für Beides die Verantwortung zu übernehmen, - und ganz besonders dafür, wie sie sich in den Beziehungen zu anderen Menschen auswirken.<br><br>Dramatik der menschlichen Schuld &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br><br>Wissen wir überhaupt, was es bedeutet, dass die Menschen „verloren“ sind und von Gott gesucht werden? – Mir fiel nur auf, dass Jesus nicht müde wurde, immer wieder von den Aufgaben der Menschen zu reden. Deshalb ist es richtig, auch diese Frage von der menschlichen Seite her anzugehen. Hinter dem Wort „Schuld“ sehe ich den Gedanken, dass jemand etwas „schuldet“, also etwas tun oder geben soll, und solange er es nicht tut, bleibt er „schuldig“.<br><br>Aber wer bestimmt denn, was jemand „schuldet“? Könnte es Gott persönlich sein? Dann wäre die alte Vorstellung richtig, dass alle Versäumnisse (Sünden) der Menschen in einem himmlischen Buch aufgezeichnet oder sonst irgendwie gespeichert sind, um für eine Endabrechnung bereitzustehen. Sehr beunruhigend wäre dabei, dass der „arme Sünder“ seine gesammelten Daten nicht kennt und deshalb über seinen Kontostand im Ungewissen ist! – Da diese Vorstellung nicht zu der von Jesus betonten Eigenverantwortung der Menschen passt, ist es wohl zutreffender zu sagen, dass nicht Gott persönlich, sondern die von ihm geschaffenen Verhältnisse bestimmen, was jemand ganz konkret „schuldet“. Auf diese Weise hat jeder Mensch wenigstens die Möglichkeit zu erkennen, was er tun soll, bzw. was er versäumt hat.<br><br>Gibt es einen Menschen, der niemandem etwas „schuldig“ ist? – Das wäre nur in einem Paradies, in einem Garten des Überflusses denkbar, wo kein Tier einem anderen wehtut, weil alle permanent befriedigt sind. In unserer realen Welt befinden sich aber alle in Konkurrenz zueinander. Und nicht nur die einzelnen Lebewesen gehen ihren gegensätzlichen Interessen nach; es besteht sogar im Inneren eines Menschen ein Kampf der Gegensätze, - und dies scheint sogar eine wesentliche Bedingung des menschlichen Bewusstsein zu sein. Während das Verhalten der Tiere durch die jeweilige Situation und durch ihre Instinkte weitgehend bestimmt ist, scheint menschliches Bewusstsein darin zu bestehen, dass wir der vielfältigen Gegensätze eigener Triebe, Strebungen und Wünsche inne werden und versuchen müssen, hier eine Wertung und Auswahl zu treffen und diese Wertung auch durchzusetzen.<br><br>In der biblischen Schöpfungsgeschichte steht: „Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir (Gott ähnlich geworden); er erkennt Gut und Böse.“ (Gen 3,22). Gut und Böse Erkennen ist ein Bewusstsein von Werten, die im Gewissen verpflichten. Ein solches Bewusstsein bringt natürlich den Verlust des Paradieses, denn jede Entscheidung fällt nicht nur für etwas, sondern gleichzeitig auch gegen alles andere aus, z. B. auch gegen abweichende eigene Wünsche oder gegen Interessen von anderen. Es lässt sich überhaupt nicht vermeiden, dass der Mensch irgendwo „schuldig“ wird. Und das Drama des Schuldig-Werdens spielt sich in erster Linie nicht zwischen Gott und Mensch, sondern zwischen Menschen und in den einzelnen Menschen ab. &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Was eigene Schuld ist, erlebt jeder, der etwas tut, womit er sich selber schadet, oder etwas, weswegen andere sich von ihm abwenden. Noch leichter erlebt er natürlich die Schuld der Anderen, wenn sie ihn in irgendeiner Weise verletzen. In jedem Fall zeigt sich das Wesen der Schuld darin, dass eine Beziehung gestört oder sogar zerstört wird, und das verursacht natürlich Angst. Wir sind ja so stark auf Hilfe, Beistand und Anerkennung durch andere angewiesen, dass wir jede Störung unserer Beziehungen als Bedrohung erleben und darauf mit Schuldgefühlen reagieren. Trotzdem sollten wir sorgfältig zwischen Schuld und Schuldgefühl unterscheiden, denn es gibt sowohl unerkannte Schuld wie auch unbegründete Schuldgefühle! Schuld vor Gott setzt immer voraus, dass ein Mensch bewusst etwas Geschuldetes versäumt bzw. etwas gegen die Lebensinteressen anderer tut.<br><br>Man könnte fragen, warum wir hier die Schuld nur als eine Angelegenheit von Menschen behandeln. Ist Sünde nicht vor allem eine Beleidigung Gottes? – Aber wie könnte ein Mensch dem unendlichen Schöpfer verletzen? Oder wie könnte er die Liebe eines Gottes zurückweisen, dem er direkt nicht begegnen kann? Wenn unsere Taten auf Gott bezogen sind, dann deshalb, weil &nbsp;wir mit &nbsp;Menschen zu tun haben, die dieser Gott liebt, der sich vor allem mit den Schwachen und Unterdrückten identifiziert. (Schon bei der Offenbarung des Gottesnamens sagt er: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und bin herabgestiegen“ Ex 3,7f).<br><br>Wir können auch beobachten, dass die biblischen Umschreibungen der Sünde (Böses Tun, Unrecht, Untreue, Ungehorsam, Vergehen usw.) regelmäßig aus dem menschlichen Bereich stammen. Wenn die Propheten den Abfall ihres Volkes von Gott beklagen, sprechen sie auch durchweg von sozialen Sünden: „Es gibt keine Treue und keine Liebe und keine Gotteserkenntnis im Land. Nein, Fluch und Betrug, Mord, Diebstahl und Ehebruch machen sich breit“ (Hos 4,1f). Sie lassen freilich keinen Zweifel daran, dass diese Taten nicht Kleinigkeiten, sondern Beleidigung des Höchsten sind.<br><br>Bekehrung zur Verantwortung<br><br>Es ist sehr auffällig, dass Jesus keine Theologie der Sünde gepflegt hat. Er war sicher, dass die letzte Beurteilung menschlicher Taten dem „Vater“ zusteht, und gegenüber diesem Vater ist niemals die Gewissensangst, sondern nur das Vertrauen begründet!<br> &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Anstatt von einem strafenden Gott zu reden stellte Jesus die Verantwortung der Menschen in den Vordergrund: Wenn sie täglich die Güte ihres Schöpfers erfahren, sollen sie sich den Mitmenschen gegenüber genau so verhalten. Dies ist freilich alles andere als einfach. Jesus war überzeugt, dass die Menschen vor Gott erst dann „in Ordnung“ kommen können, wenn sie ihr „normales“ Denken ändern. Der Angelpunkt seiner Botschaft (in unseren Übersetzungen „Tut Buße!“ oder „Bekehrt euch!“) heißt wörtlich „Kehrt um!“, wendet eure Gedanken, Bestrebungen und Taten genau in die umgekehrte Richtung wie bisher!<br><br>Dieses Umdenken zeigt sich gut in der einzigen Bekehrungsgeschichte, die in den Evangelien ausführlich beschrieben ist (Lk 19,1-10): Der Erfolgsmensch Zachäus, der sich bisher ohne Rücksicht auf andere ein Vermögen gemacht hat, verändert sein Denken. Als er seine Schuld erkennt, schaut er nicht erschreckt zurück und sagt ichbezogen: „Was habe ich getan!“ &nbsp;Statt dessen denkt er an die Anderen, die immer noch unter den Auswirkungen seiner Taten leiden. Er sagt: „Die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück“! Es ging ihm also nicht darum, der möglichen Strafe Gottes zu entgehen. Es wurde ihm klar, dass Schuld vor allem Verantwortung für die Folgen bedeutet, und er stellte sich dieser Verantwortung. Deshalb hat auch Jesus kein Wort über seine vergangene Schuld verloren. Er stellte nur fest: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden“.<br><br>Und wo bleibt die Gerechtigkeit?<br><br>Ist es nicht ungerecht, dass die eigene Schuld durch Vergeben so leicht aus der Welt zu schaffen ist? Uns fällt es besonders schwer, geschehenes Unrecht zu vergeben und zu vergessen. Deshalb liegt es uns – wie auch manchem biblischen Schriftsteller – nahe, auch Gott vor allem als den Gerechten zu denken: „Es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen“ (2Thes 1,6)! Die gleiche Überzeugung sprach auch Paulus im Römerbrief aus: „Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr“ (Röm 12,19).<br><br>Jesus hat aber deutlich von einem ganz anderen Gott gesprochen: Sein „Vater“ kennt keinen Gedanken an Rache! Dies ist sogar im Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner klar: Ein König erlässt einem Diener die unvorstellbar hohe Schuldsumme von zehntausend Talenten. Als dieser nun hinausgeht und jemanden trifft, der ihm nur hundert Denare schuldig ist, bedrängt er ihn und lässt ihn ins Gefängnis werfen. Als der König dies erfährt, lässt er ihn rufen und sagt ihm: „Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen. Hättest nicht auch du mit jenem Erbarmen haben müssen? (Mt 18,23-33). &nbsp;Damit betont Jesus den Kontrast im Verhalten des Königs und des Dieners. (Die folgenden Verse 34-35 „Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe“ vernichten diesen Kontrast und erweisen sich damit als spätere Ergänzung. Sie verkehren das von Jesus hier dargestellte Gottesbild ins Gegenteil. Sie sind kein „Jesuswort“, nur ein weiterer Beleg für das menschliche Bedürfnis nach gerechtem Vergelten.)<br><br>Der von Jesus dargestellte König denkt von sich aus nicht an Gerechtigkeit; er hat einfach &nbsp;Mitgefühl mit dem Schuldner. Der Diener selber ist es, der dem Mitmenschen gegenüber auf Gerechtigkeit besteht und sich damit der Vergebung unwürdig erweist. Das Gleichnis betont damit – neben dem Gottesbild Jesu – das radikale ernst Nehmen der Verantwortung des Menschen, dem Gott nicht einmal die Vergebung aufdrängen will: Er soll diese Vergebung bewusst übernehmen und durch eigenes Handeln ratifizieren.<br><br>Jesus hat nicht von einem „gerechten Gott“, sondern von einem liebend mitfühlenden Gott gesprochen, der das „Heil“ der Menschen sucht, dabei allerdings auf ihre Eigenverantwortung besteht. Wie wenig seine Jünger ihn verstanden haben, zeigt sich darin, dass das Neue Testament bis heute vielfach (sogar in der „Verbesserung“ dieses Gleichnisses!) ein Gottesbild verewigt, das seit Jesu „Glücksbotschaft“ radikal überholt sein müsste! Sie sind dabei so weit gegangen, dass sie selbst Jesus, der „gekommen ist, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“, als unbarmherzigen Richter und Rächer dargestellt haben (Lk 19,10 vgl. Mt 25,41-46).<br><br>Wenn wir mit Jesus beten, stehen wir jedenfalls nicht vor Gott als Richter, aber wir stehen vor unserer eigenen Verantwortung. Es ist unsere Aufgabe, den Weg der Versöhnung mit dem Vater zu betreten. Dieser Weg führt über die Erkenntnis der eigenen Schuld zur aktiven Annahme der Versöhnung mit Gott dadurch, dass auch wir allen vergeben, die uns gegenüber in irgendeiner Weise schuldig geworden sind.<br><br>Was hielt also Jesus von der gerechten Vergeltung von Sünden? - Es ist uns eine Episode überliefert, wo ihm berichtet wurde, wie Pilatus eine Gruppe von Galiläern, die er wahrscheinlich für Aufständische hielt, im Tempel töten ließ. Jesus sagte: „Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer (also ihr!) aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genau so umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt (wenn ihr nicht umdenkt)!“ (Lk 13,1-3). <br><br>Es verbietet sich, diese Szene als Gerichtsdrohung gegen unbußfertige Sünder anzusehen, denn Jesus stellt hier gerade den Zusammenhang zwischen Tod und Sündigkeit der Opfer der Gewalttat in Frage. Er kann im Folgenden auch nicht gesagt haben, dass alle Sünder (von Gott!) umgebracht werden, &nbsp;weil dies seinem Gottesbild widersprochen hätte. Wenn dieser Text auf ihn zurückgeht, muss er im Zusammenhang seiner Verkündigung gelesen werden. Was gewöhnlich als „Bekehrung“ (metanoia) gelesen wird, bezeichnete für Jesus nicht Abkehr von Sünden, sondern eine totale „Umkehr“, ein „Umdenken“. Meines Erachtens waren seine Worte ursprünglich – der Situation entsprechend – etwa: „Wenn ihr weiter so denkt wie bisher (also die Römer als erbitterte Feinde bekämpft statt sie als Kinder eures „Vaters“ zu lieben!), müsst ihr auch die Folgen tragen, denn sie werden euch genau so umbringen.“ Das gleiche hat er ja bei seiner Verhaftung auch gesagt: „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Mt 26,52).<br> &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp;  &nbsp; &nbsp; <br>Diese Deutung legt uns nahe, dass die Menschen – nach der Ansicht Jesu – zwar nicht von einer göttlichen Gerechtigkeit verfolgt werden, aber deshalb noch lange nicht hoffen können, von den Folgen ihrer Taten verschont zu werden. Sie werden zwar nicht von einer göttlichen Rache, dafür aber von dem sehr irdischen Gesetz von Ursache und Wirkung eingeholt, und keine göttliche Vergebung wird die Folgen ihrer Taten aufheben. Die Folgen einer „Schuld“ beschränken sich nicht auf die Opfer, sie betreffen gewöhnlich auch die Täter. Auch nach der Vergebung seiner Schuld bleibt es die Aufgabe des Menschen, sich mit den Folgen seiner Handlung auseinander zu setzen und sie nach Möglichkeit zum Besseren zu wenden.<br>]]></description>
   <pubDate>So, 16  2006 16:11:17</pubDate>
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