Hier finden Sie Texte über Ökumene
Texte von Peter Josef Dickers
Texte von Wilhelm Weber
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Texte von Peter Josef Dickers
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Texte von Wilhelm Weber
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Es kann der Frömmste nicht in Frieden beten . . .
. . . wenn es dem Kölner Bischof nicht gefällt
Pfingstfest in Leverkusen. Ökumenischer Pfingsttreff auf dem Gelände der Landesgartenschau. Gemeinsames Staunen darüber, wie Mensch und Natur zusammen wirken können - mitten auf einer ehemaligen Müllhalde. Gottes Geist macht erfinderisch und beflügelt zu neuem Denken.
Ökumene-Treff? Haben die katholischen Gartenschauer vorher auch ihre Sonntagspflicht erfüllt? Gottes Heiliger Geist ist zunächst katholischer Geist - in Köln weiß man zu differenzieren zwischen ökumenischem Wollen und Kardinal Meisners Querdenken. Es scheint nicht sicher zu sein, ob es ihm wirklich um die Einheit im Glauben und Beten geht oder um das Ansammeln weiterer Scherbenhaufen in der ökumenischen Landschaft. In der Diözese Münster sieht das anders aus. Am selben Tag findet dort auf dem Domplatz in Münster ein ökumenischer Gottesdienst statt, mit dem Bischof. Müssen wir nicht den Eindruck haben, dass die Kölner Amtskirche die Sehnsucht der Menschen nach Einheit immer noch in einen Dornröschen-Schlaf versetzen will?
Ein Märchen der Gebrüder Grimm erzählt von der Heckentür. Die Mutter hat ihren Kindern verboten, diese zu öffnen und das
Haus zu verlassen. Eines Tages brechen sie aus dieser Behütung aus, nehmen aber die Heckentür mit. Als sie in Gefahr
geraten, klettern sie auf einen Baum, von dem aus sie schließlich die Heckentür hinunter werfen. Auf diese Weise
befreien sie sich von Behütung und Verbot.
Wer befreit uns in der Kirche von den vielen Heckentüren, von unsinnigen Normen und Verhaltensregeln?
Wer ermuntert uns zum Aufbruch aus autoritärer Behütung? Wer duldet und unterstützt unsere Visionen?
Wie lange noch müssen wir jene ertragen, die blind zu sein scheinen für die Gegenwart der christlichen
Kirchen und unfähig, deren Zukunft mit zu gestalten?
Die uns bedrängende Frage lautet doch wohl nicht mehr, welche Kirche die wahre Kirche Christi ist,
sondern, welche Zukunft Kirche überhaupt hat; in welchem Maße sie dabei hilft, der Erde und
den Menschen Zukunft und Hoffnung zu garantieren; ob sie sich mit dafür einsetzt, dass mehr
Gerechtigkeit und mehr Ehrfurcht vor der Schöpfung erreicht wird. Herausgefordert ist dabei
nicht diese oder jene Kirche. Herausgefordert sind wir Christen insgesamt. Dieser Herausforderung
hat Ökumene zu dienen.
"Ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wieder fürchten müsst", heißt es im Römerbrief.
Worauf müssen wir noch warten? Auf die Kölner Amtskirche bestimmt nicht.
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Hasenhüttl und kein Ende
Der Priester und Universitätsprofessor Gotthold Hasenhüttl hatte 2003 auf dem ersten ökumenischen Kirchentag in Berlin bei einer Eucharistiefeier evangelische Christen eingeladen, zur Kommunion zu gehen. Das brachte ihm zwei Monate später die Suspendierung durch den Trierer Bischof Reinhard Marx ein. Dieses Druckmittel sollte Hasenhüttl dazu bewegen, sein "Vergehen" zu bereuen. Das jedoch würde (so Hasenhüttl auf seiner Homepage) seiner lebenslangen ökumenischen Arbeit widersprechen und außerdem evangelische Christen zu Christen zweiter Klasse degradieren.
Daraufhin hat Bischof Marx 2005 dem längst emeritierten Universitätsprofessor die Lehrerlaubnis entzogen. Das hat im Kirchenvolk sehr viel Unmut ausgelöst, übrigens auch bei mir. Am 11. Jan. 2006 veröffentlichte die Rhein-Zeitung auf der Mayener Lokalseite ein Interview mit mir, in dem ich u.a. folgendes erklärt habe: "Ein Machtspektakel, auf das man eigentlich nur mit Sarkasmus antworten kann... Einem längst emeritierten Professor die Lehrerlaubnis zu entziehen, ist so kurios, als würde man einem Blinden die Augen verbinden oder einem Stummen das Wort verbieten... Wie würde Bischof Marx den Fall Ratzinger ahnden? Der hatte nämlich bei den Begräbnisfeierlichkeiten für Johannes Paul II. dem Protestanten Frère Roger Schutz von Taizé die Kommunion gereicht... Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Professor, der ein Leben lang an praktischer Ökumene gearbeitet hat, jetzt kaltgestellt wird... Denkbar wäre gewesen, dass Bischof Marx (vielleicht mit anderen Brüdern im Amt) eine ökumenische Offensive gestartet hätte. Dann wäre er oder sie von Hasenhüttl gut beraten gewesen... Doch wer das tut, dessen Karriere könnte dann am Ende sein."
Als der Trierer Generalvikar Dr. Holkenbrink am 22. Jan. 06 in der Trierer Kirchenzeitung Paulinus in einem Interview den Versuch machte, die Vorgehensweise von Bischof Marx zu begründen und zu rechtfertigen, platzte mir der Kragen. Ich schrieb per Mail an die Kirchenzeitung:
"Es drängt mich, zu obigem Interview folgendes zu sagen:
1. Es ehrt Sie, Herr Holkenbrink, dass Sie das Handeln Ihres Chefs rechtfertigen wollen. Dafür werden Sie ja auch bezahlt und später vielleicht mit Ehrungen ausgezeichnet. Gelungen ist Ihnen die Rechtfertigung nicht.
2. Detailliert begründen Sie die Rechtmäßigkeit der Suspension und des Entzugs der Lehrerlaubnis (eines gar nicht mehr Lehrenden). Wenn Sie die Praxis der Priester im Bistum kennen würden, müssten Sie konsequenterweise (!) etwa 90% der Priester suspendieren; denn die handeln wie Hasenhüttl - zum Segen der Menschen und im Sinne der Versöhnung zwischen Ehepartnern mit unterschiedlicher Konfession. Können Sie sich so viele Suspensionen Leisten?
3. Sie kennen nicht die Stimmung der Gläubigen im Bistum. Die Wut über die bischöfliche Strafaktion ist groß. Die Menschen wollen Versöhnung unter den Konfessionen und ereifern sich über bischöfliches Machtgehabe in Trier.
4. Sie sagen "Letztlich blieb keine andere Möglichkeit." Wie kann man nur so dumm argumentieren? Glauben Sie das selbst, Herr Holkenbrink? Haben Sie mit Ihrem Bischof vorher über alle Möglichkeiten nachgedacht? Waren Sie nicht in der Lage, Ihrem Chef andere Möglichkeiten aufzuzeigen? Okay, vielleicht haben Sie sich nicht durchsetzen können. Aber dann ist diese Ihre Argumentation nur noch eine Loyalitätsübung. Das könnte man doch (wenigstens zwischen den Zeilen) sagen.
5. Herr Holkenbrink, Sie sind noch jung, Sie kämpfen dafür, dass die Konflikte, die Ihr machtbewusster Bischof austrägt, nicht noch mehr Schaden anrichten. Also: Sie sind um Schadensbegrenzung bemüht (unterstelle ich Ihnen mal so). Dasselbe unterstelle ich übrigens auch Herrn Hasenhüttl. Haben Sie, Herr Generalvikar, mal darüber nachgedacht, wie Ihnen zumute sein könnte, wenn Sie im Alter von 70+ eine ähnliche Würdigung Ihres Lebenswerkes erfahren würden, wie es z. Zt. Bei Hasenhüttln geschieht? Oder sind Sie eine Persönlichkeit, die ständig ihr Fähnlein nach dem gegenwärtigen Wind ausrichtet? Herr Holkenbrink, ich beneide Sie nicht, z. Zt. bedauere ich Sie."
Die Redaktion der Kirchenzeitung hielt "persönliche Anwürfe und Wertungen der Art nicht für veröffentlichungsfähig." Wenige Tage später schrieb mir der Generalvikar: "Zu einem solchen Brief, der sowohl hinsichtlich der Form als auch des Inhaltes nicht anders als unter jedem beantwortbaren Niveau zu nennen ist, werde ich im Einzelnen nicht Stellung nehmen. Ich möchte Sie aber darauf hinweisen, dass ich Ihren Heimatbischof sowohl über Ihr Interview in der Presse als auch über Ihren Leserbrief informieren werde."
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Ökumene aus Versehen
Als das Fernsehen bei den Trauerfeierlichkeiten zum Begräbnis Papst Johannes Pauls II. aller Welt zeigte,
wie der Protestant Frère Roger Schutz von der Brudergemeinschaft von Taizé aus der Hand Kardinal Ratzingers die hl. Kommunion empfing,
wurde das allgemein als ein Zeichen aufbrechender Ökumene gewertet. Ich habe damals eine Anfrage an die Deutsche Bischofskonferenz
gerichtet, welche Auswirkungen dieser Vorgang auf die Suspension von Prof. Hasenhüttel habe. Dieser hatte auf dem ökumenischen
Kirchentag in Berlin bei einer Messfeier evangelische Christen zum Empfang der Eucharistie eingeladen und war deshalb suspendiert
worden. Erst jetzt am 4. Okt. 2005 erhalte ich vom Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Hans Langendörfer SJ eine Antwort.
Es ist zwar keine Antwort auf meine Frage, es ist vielmehr eine Stellungnahme der Glaubenskongregation zum Fall Schutz.
Hier der Text:
"Im Anschluss an verschiedene Bitten um eine Klarstellung bezüglich des Kommunionempfangs von Frère Roger Schutz, von der Gemeinschaft von Taizé, beim Requiem von Johannes Paul II. kann ich nach Einholung der erforderlichen Informationen Folgendes mitteilen: Frère Roger Schutz hatte eine Karte erhalten, mit der er einen besonderen Platz im Sektor "San Paolo" einnehmen konnte. Die Persönlichkeiten mit einer solchen Karte befanden sich unmittelbar hinter jenen katholischen Gläubigen, die ausgewählt waren, um die hl. Kommunion aus der Hand des Hauptzelebranten zu empfangen. Aufgrund seiner gesundheitlichen Begrenzungen wurde Frère Roger auf einem Rollstuhl erst knapp vor Messbeginn auf den Petersplatz gebracht, als alle Plätze im Sektor "San Paolo" bereits besetzt waren. Um ihm einen angemessenen Platz zu geben, brachte man ihn deshalb in die Nähe des Sektors "Kommunion" . Dort blieb er während der ganzen Feier. Als der Augenblick der Kommunion nahte, meinte ein für den Ablauf der Feier zuständiger Mitarbeiter versehentlich, dass auch Frère Roger zur Gruppe derer gehöre, die man für den Kommunionempfang ausgewählt hatte, und brachte ihn auf seinem Rollstuhl zum Hauptzelebranten."
Damit ist klargestellt: es handelt sich um Ökumene aus Versehen. Schuld ist ein namenloser Mitarbeiter, Ratzinger gewissermaßen
das Opfer. Düstere Aussichten für die Ökumene unter Benedikt XVI.!
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Pastoraler Umbau im Bistum Trier - ohne ökumenische Perspektiven
Zur Zeit wird in allen deutschen Diözesen an den pastoralen Strukturen gebastelt. Der Hintergrund ist der dramatisch zunehmende Priestermangel, die durch Kirchenaustritte und demographische Faktoren absinkenden Katholikenzahlen sowie die drastisch eingebrochenen Kirchensteuereinnahmen. Die Pfarrer und ihre Pfarrgemeinden werden am Prozess der Neustrukturierung beteiligt, weil sie ja später damit leben müssen. So hat der Bischof von Trier Reinhard Marx im Juli 2005 ein Pastoralschreiben verschickt mit dem Titel "Als Gemeinschaft in Bewegung - nach innen und außen". Es geht um die Konzentration der Kräfte und um eine effektivere Arbeit unter den gegebenen personellen und finanziellen Einschränkungen.
Was würde näher liegen, als diese Mammutaufgabe, vor der übrigens auch die evangelische Kirche steht, mit ebendieser gemeinsam zu lösen? Ich habe daraufhin das bischöfliche Pastoralschreiben mal auf die ökumenischen Perspektiven hin durchgelesen. Das Ergebnis ist mehr als dürftig. Unter der Überschrift "Als Gemeinschaft in Bewegung - nach innen" ist zu lesen: "Wir leben aus der Freundschaft mit Jesus - das soll uns als Einzelne und als Gemeinschaft auf dem Weg der Glaubenserneuerung leiten. Ich (d.i. der Bischof) habe die Hoffnung, dass wir so auch neue Impulse auf dem Weg zu vollen Einheit mit den Schwestern und Brüdern in der Ökumene finden." Und dazu gibt Bischof Marx folgende Handlungsempfehlung: "Das ökumenische Miteinander soll weiterhin gepflegt und vertieft werden." Basta! Eine ökumenische Perspektive beim pastoralen Umbauprozess gibt es nicht.
Wäre es nicht sinnvoll, christliche Kräfte zu bündeln, z.B. Kindergärten (oder andere katholische Einrichtungen) in gemeinsamer Trägerschaft der katholischen und evangelischen Kirche zu führen, anstatt Gruppen oder ganze Einrichtungen zu schließen, weil die Anzahl katholischer Kinder zu gering ist? Wäre es nicht sinnvoll, ökumenische Konzepte für Gemeindearbeit (von der Jugendarbeit bis zur Seniorenbetreuung) zu entwickeln? Könnte man in dieser Situation nicht mal einen ernsthaften Vorstoß unternehmen in Hinblick auf gemeinsame Gottesdienste oder zumindest konfessionelle Gottesdienste mit offener Mahlgemeinschaft? Ich habe Verständnis dafür, dass ein Bischof das nicht den Gemeinden überlässt. Aber wäre das so abwegig, wenn sich der Bischof mit seinen Brüdern im Amt an die Spitze einer ökumenischen "Offensive" stellen würde? Oder tut man das nicht, weil das der weiteren Karriere abträglich sein könnte? Im Erneuerungsprozess erwarten die Gemeinden und ihre Priester auch von den Oberhirten mutige Schritte, die Hoffnung aufkommen lassen. Bisher jedoch herrscht eher der Eindruck vor, als wäre die Angst, es könnte etwas aus dem Ruder laufen, die unterschwellige Begleiterin bischöflicher Verlautbarungen. Das Potenzial an Kraft und Erneuerung, das im ökumenischen Miteinander steckt, ist noch gar nicht erkannt. Eine Chance ist vertan.
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Ökumene ganz weit
Liebe Christen!
Unter Ökumene versteht man im strengen Sinn die Bemühungen um Einheit zwischen den christlichen Konfessionen. Im weiteren Sinn kann man damit aber auch den Dialog zwischen den christlichen und den nichtchristlichen Religionen - insbesondere zwischen Christentum, Judentum und Islam - meinen. Wenn man den Begriff der Ökumene noch weiter spannt, dann schließt er auch den Dialog mit denen ein, die sich zu keiner Religion oder Konfession bekennen und trotzdem Sympathie zum Christentum und seinen Einrichtungen zeigen. Und da gibt es beim Internet-Spaziergang durch die deutschen Diözesen ein Bistum, das mit bemerkenswerter Offenheit dem nichtkatholischen, ja sogar dem nichtchristlichen Mitmenschen begegnet. Es ist das Bistum Erfurt, dem Bischof Joachim Wanke vorsteht. Ihm zur Seite steht Weihbischof Reinhard Hauke, der seinen großen Bruder Wanke seit Jahren zu innovativen Projekten inspiriert. Von einigen dieser Projekte im Bistum Erfurt möchte ich erzählen. Ich finde sie mutig, weltoffen und darum wirklich christlich.
1. Beispiel:
Auch das Bistum Erfurt kann auf Dauer nicht mehr alle Kirchengebäude unterhalten. Während man in den meisten Diözesen gnadenlos Kirchen verkauft, umwidmet oder abreißt, zeigt das Bistum Erfurt eine interessante Alternative. Die 1117 gestiftete Allerheiligenkirche im Stadtzentrum soll künftig als Urnenbegräbnisstätte für Christen und Nichtchristen genutzt werden. Ein eigens in der Kirche errichtetes Kolumbarium - also eine Begräbnisstätte für Urnen - soll künftig sowohl Christen als auch Nichtchristen als würdige Grabstätte dienen. Damit greift das Bistum eine Veränderung in der Beerdigungskultur auf und gestaltet sie kreativ weiter. Zwischen den Stelen des Kolumbariums können sich die Trauernden und Angehörigen aufhalten und ihrer Verstorbenen gedenken. Im Südschiff der Kirche sollen Gottesdienste gefeiert werden - und das nicht nur an Begräbnistagen. Denn jeder Gottesdienst ist eine Feier des Lebens. Auch nichtkatholische Gottesdienste und sogar säkulare Trauerfeiern dürfen hier stattfinden. Sinnigerweise heißt diese Kirche Allerheiligenkirche.
In diesem Zusammenhang ist auch interessant das monatliche Totengedenken für Christen und Nichtchristen im Erfurter Dom. Weihbischof Reinhard Hauke hat dieses Totengedenken entwickelt. Er sagt: Wer trauert, braucht einen Ort für seine Trauer. Meist ist es das Grab. Was aber, wenn es kein Grab (mehr) gibt, das Grab nicht bekannt oder weit entfernt ist? Für solche Fälle ist das monatliche Totengedenken gedacht, damit die Angehörigen ihre Trauer besser bewältigen. Der Name des oder der Verstorbenen wird in ein kostbares Buch eingeschrieben. Die Schrift ist ein Synonym für den Menschen, steht für seine Identität. Beim Lesen des Namens wird der Mensch in den Gedanken lebendig. Nach der Feier des Totengedenkens, zu der eine Schriftlesung mit Predigt, Gebete und Lieder gehören, wird das Totenbuch in einer Lichterprozession zum Heiligen Grab des Domes getragen und dort sichtbar in einem Schrein aufbewahrt. Dort kann es ganzjährig aufgesucht werden.
2. Beispiel:
Ein weiteres innovatives Projekt ist die Akademie im Kaufhaus. Das Katholische Forum, d. i. die Akademie des Bistums Erfurt, veranstaltete im Advent im Warenhaus Karstadt mit Bischof Joachim Wanke einen Abend über die Kultur des Schenkens - zwischen Kleiderständern und Warentischen. Das Thema referierte und meditierte der Bischof selber und eine Volkskundlerin. Musik und Umgebung des Kaufhauses trugen zu einem angeregten Gesprächsabend bei. Mit dem Warenhaus ist ein Ort gewählt, dem jede akademische Steifheit abgeht. Außerdem gibt es keine Hemmschwelle, die sich oft bei Veranstaltungshäusern mit dem Zusatz "katholisch" aufbauen können. Und in Warenhäusern sind Katholiken nie unter sich. Der erste Abend war ein Erfolg, der zu einer ganzen Veranstaltungsreihe geführt hat.
3. Beispiel:
In der früheren DDR gab es die Jugendweihe, eine atheistische Veranstaltung. Es gibt sie auch heute noch, jedoch ohne das sozialistische Gelöbnis. Sie findet an der Lebenswende zum beginnenden Erwachsenenalter statt. Für junge Katholiken ist dieses Fest seit eh und je die katholische Firmung, für Protestanten die Konfirmation. Aber es gibt in Thüringen viele konfessionslose Jugendliche, die die alte Jugendweihe nicht mehr wollen und nach Alternativen Ausschau halten. Für diese Jugendlichen hat Weihbischof Reinhard Hauke, der damals noch Dompfarrer von Erfurt war, eine Feier der Lebenswende für Jugendliche ohne Konfession entwickelt. Selbstverständlich findet diese Feier im Erfurter Dom statt. Herausragendes Merkmal der Erfurter Lebenswendefeier ist der Eigenanteil der Jugendlichen. Sie sind maßgeblich gefordert, eigene Schwerpunkte in der Monate langen Vorbereitung und für die Feier selbst zu setzen. In der Vorbereitungszeit findet auch ein Sozialprojekt statt. Das Konzept begeistert immer mehr Jugendliche und Eltern und findet längst Nachahmung in anderen Städten Ostdeutschlands wie Berlin, Dessau, Dresden, Halle, Leipzig und Magdeburg.
4. Beispiel:
Ein letztes Beispiel ökumenischer Aufgeschlossenheit in Erfurt. Ich meine den ökumenischen Segnungsgottesdienst am Valentinstag "für alle Menschen, die partnerschaftlich unterwegs sind". Sie werden sagen: das gibt´s bei uns im Westen auch. Gewiss. Aber jedes Jahr gibt es bei uns Aufruhr und bischöfliche Verbote, wenn sich zu solchen Gottesdiensten auch schwule oder lesbische Paare eingeladen fühlen und dabei sein wollen. In Erfurt sind die nicht ausdrücklich eingeladen, aber eben auch nicht ausdrücklich ausgeladen. Schließlich will der Bischof von Erfurt nicht den Zorn seiner Brüder im Amt auf sich ziehen.
In Erfurt gibt es innovative Seelsorge mit ausgesprochen ökumenischem Akzent. Die Aufgeschlossenheit für die Sehnsüchte der Menschen und die Dialogbereitschaft mit allen Suchenden und Menschen guten Willens ist ziemlich einmalig. Ich meine, davon könnte manches Bistum hier im Westen etwas lernen - Trier übrigens auch.
Amen.
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